Lange Kunstnacht steht hoch im Kurs
Bild: Steinecke
Das Objekt „Hühnergott“ beim Kunstverein wurde oft mit „Haaren auf den Zähnen“ interpretiert.
Bild: Steinecke

Reflexionen einer dunklen Vergangenheit, aber auch die Aussicht, dass das Leben immer einen Weg findet. „Man muss nicht unbedingt Historiker sein, um den Abend genießen zu können“, sagte Elisabeth Menke am Rande der Veranstaltung. Viele der 22 Teilnehmer hatten das Thema denn auch weit gefasst. Die Bandbreite reichte vom Stadtmuseum, wo mit den Augen der Soldaten gesehen wurde, über den Gastgeber Rainer Wortmeier bis zur Bildhauerin Elisabeth Brügger mit ihren Skulpturen und Spiegelflächen der Selbsterkenntnis. Zu seinen eigenen minimalistischen Bildinstallationen sagte Wortmeier: „Die sind frei interpretierbar.“

„Es darf ruhig schräg sein“

Viel Interpretationsspielraum und Anlass zu Diskussionen bot auch die Ausstellung von Katrin Plavcak beim Kunstverein. „Das ist ja beinahe schon pathologisch“, nannte es eine Besucherin. Die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Paskarbies (CDU) begrüßte es, dass mit der gebürtigen Gütersloherin einer heimischen Künstlerin und ihrer skurrilen Realität in Collagen und Bildern ein Forum gegeben werde. „Es darf ruhig etwas schräg sein“, sagte Paskarbies. Zudem zeigte sich die Ratsherrin von dem Konzept, dass an vielen Stationen Verzehrstände zum Verweilen einluden, überzeugt. „Das haben wir bei uns auch überlegt“, erklärte Rainer Wortmeier. Allerdings seien die benötigten Mengen im Vorfeld sehr schlecht abzuschätzen gewesen, weswegen die Entscheidung gegen ein Catering ausgefallen sei. Viel übrig geblieben wäre an diesem Samstag sicher nicht.

Obwohl König Fußball mit dem DFB-Pokalfinale als ernstzunehmender Konkurrent auftrat, stand die lange Nacht der Kunst hoch im Kurs der Gütersloher Schwärmer. Offensichtlich trifft es genau den Geschmack des Publikums, Kunst und leichte Kost zu mischen. „Ganz spannend“, zog das Kölner Paar Dorothée Anfang und Lars Bohnenkämper ein positives Zwischen-Resümee. „Mit den Chören auf dem Dreiecksplatz kann ich mich aber nicht anfreunden“, schränkte der gebürtige Gütersloher ein. Dafür präsentierte dort anschließend die Konrad-Kolleck-Big-Band mit der Erstaufführung des „World War One Project“ Dramaturgie in Noten. Die Melodie wird zerfetzt, dringt kaum durch das zunehmende Chaos und sammelt sich in neuer Harmonie.

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