Lehrer sehen Harzgebrauch kritisch
Bild: Nieländer
Handballer verwenden Kunstharz, um den Ball besser halten zu können. Auf dem Bild setzt sich Fabian Gast (vorn rechts) von der HSG Gütersloh durch.
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Die Fachschaft Sport am Städtischen Gymnasium (SG) zeigt sich in einer Anfrage an die Verwaltung überrascht, dass der Gebrauch des Haftmittels überhaupt erlaubt werden soll. Gerade von städtischen Vertretern seien in den Vorgesprächen immer wieder Bedenken gegen die Verwendung von Haftmitteln geäußert worden, heißt es in einem von Ralf Stüssel gezeichneten Schreiben.

Die Fachschaft Sport möchte daher wissen, ob die Stadt die Sicherheit beim Schulsport garantieren könne. Antwort der Verwaltung: Der Boden müsse mit speziellen, auf die Versiegelung des Hallenbodens abgestimmten Reinigungsmitteln gesäubert werden. Sie führten „nicht zu einer Beeinträchtigung des Gleitreibungswiderstandes“. Das bedeutet: Es bestehe keine Stolpergefahr.

Die Fachschaft Sport sorgt sich auch um den Lärmschutz, der unter anderem durch kleine Löcher in den Prallschutzwänden gewährleistet werden soll. Dabei räumt die Verwaltung ein: „Es ist nicht auszuschließen, dass sich einzelne dieser Akustikbohrungen beim Aufprall eines mit Harz behafteten Balls verschließen und es über die Jahre bei einem großflächigen Verschluss dieser Bohrungen zu Veränderungen der Raumakustik kommen kann.“

Bedenken der Fachschaft wegen der Reinigungsmittel sucht die Verwaltung zu zerstreuen: „Grundsätzlich werden bei der Stadt keine Reinigungsmittel eingesetzt, die gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten.“ Das Mittel gegen Kunstharz sei auf die anderen Reinigungsstoffe abgestimmt. Daher könne es nicht zu ungewollten chemischen Reaktionen kommen.

Alle anderen Verschmutzungen an Bänken, Türen, Toren, Sportgeräten, Wänden und Gängen seien Teil der Sonderreinigung, teilt die Verwaltung mit. Man gehe ferner davon aus, dass die Reinigungsfirma so sorgfältig arbeite, dass es nicht zur Verschmutzung der Kleidung von Schülern und Lehrern kommen könne. Sollte das nicht der Fall sein, müsse bei mangelhafter Auftragsdurchführung die Frage eines möglichen Regresses geprüft werden.

Im Hauptausschuss erklärte SPD-Ratsherr und SG-Leiter Dr. Siegfried Bethlehem am Montag, die Halle werde von 8 bis 18 Uhr für den Schulsport benötigt, danach vom Breitensport genutzt und morgens zwischen 5 und 7 Uhr gereinigt. Die von den Handballern genutzte Sporthalle Nord habe im laufenden Schuljahr sechsmal geschlossen werden müssen, „weil sie in keinem guten Zustand war“.

Hintergrund

Der Westdeutsche Handballverband (WHV) überlässt die Entscheidung, ob bei den Spielen Kunstharz eingesetzt werden darf, den Eigentümern der Hallen. Das sind in aller Regel die Kommunen. In Gütersloh ist der Einsatz bisher erlaubt. Laut Wilhelm Kottmann, Leiter des Fachbereichs Sport, belief sich der zusätzliche Reinigungsaufwand für die Sporthalle Nord auf 3500 Euro pro Jahr für Arbeiten, die die Sportler nicht selbst durchführen dürfen. Künftig kalkuliert die Stadt die Reinigungskosten mit 10 000 Euro, von denen die Handballer ein Drittel tragen sollen.

Das lehnen sie mit Verweis auf den „Pakt für den Sport“ ab. Darin ist die kostenlose Nutzung von Sportstätten durch die Vereine geregelt. Gleichzeitig verpflichten sie sich zu Eigenleistungen. Bei der Beseitigung von Kunstharz erweist sich das als schwierig. Der Hauptausschuss hat das Thema am Montag vertagt. Bis Ferienende soll eine Lösung gesucht werden.

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