Leipziger Vokalromantiker begeistert gefeiert
Bild: Gans
Auch beim dritten Gastspiel in der Apostelkirche gern gehört: Die Leipziger Vokalromantiker wurden im ausverkauften Gotteshaus mit Ovationen gefeiert.
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Beim dritten Gastspiel der sächsischen Sänger in Gütersloh ein volles Haus vorweisen zu können, spricht allenfalls gegen den Sommer in diesem Jahr, nicht aber die Spielplan-Politik des „Gütersloher Chor- und Liedersommers“, dessen Auftakt in der Apostelkirche zu einem Triumph der Vokalkunst geriet. Mit Standing Ovations verabschiedeten die Gütersloher Musikfreunde die Vokalromantiker, die mit Harfenistin Christina Engelke zur ihrem dritten Konzert angereist waren.

Nicht als Werk geistiger Kontemplation, sondern als differenziert auszugestaltendes Konzertstück begriffen die acht Herren eingangs den Choral „Christus factus est“ – und befrachteten das einstimmige Stück mit einer unangemessen artifiziellen Note. Die Polyphonie eines Josquin des Préz oder Tomás Luis de Victoria hingegen wirkte, da sich die Stimmen des Ensembles exzellent mischen, in der Lesart der Leipziger höchst ausgeglichen und im Ausdruck voll und warm. Romantisch halt.

Dass unter diesen Vorzeichen die Beiträge von Felix Mendelssohn Bartholdy und dessen Zeitgenossen Julius Rietzel eindrücklich gelangen, verwunderte nicht. Zumal in Mendelssohns Hymne „Hör mein Bitten“ der ausgeprägte Solopart von Tenor Andreas Fischer hinreißend gemeistert wurde und Katharina Engelke die originale Orgelstimme an der Harfe klangvoll zu ersetzen wusste.

Harfenistin ein großer Gewinn

Überhaupt war die Solo-Harfenistin der Neuen Lausitzer Philharmonie mit ihren stimmungsvollen wie virtuosen Beiträgen ein großer Gewinn. Ein Singen auf solch hohem Niveau kann in manchen Gattungen schon einer Ehrenrettung gleichkommen. Wenn man Mendelssohns „Der Jäger Abschied“ oder Volkslieder wie „Im schönsten Wiesengrunde“ einmal nicht in biedermeierlicher Liedertafelseligkeit, sondern mit Raffinement und wohldosierter Expressivität hören möchte, ist man mit den Leipziger Vokalromantikern immer auf der richtigen Seite.

Auch Humorvolles wie ein spielwitzig inszenierter Restaurantbesuch gelang prächtig. Und wenn den Vokalromantikern das Soul-Feeling für die Gospelmusik auch ein bisschen abgeht, so wissen sie auch in diesem Genre mit eigener Klangfarbe zu begeistern. Mehr davon.

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