Manager als Irrläufer des Mittelmaßes
Bild: Hoppe
 Spielfreudiges Quartett vom Düsseldorfer Schauspielhaus: (v. l.) Dirk Ossig, Moritz Führmann, Lutz Wessel und Marcus Calvin empfahlen sich dem Gütersloher Theaterpublikum als „Vier Männer im Nebel“.
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„Vier Männer im Nebel“: Das selbstverschuldete Ende einer vom Chef zur Teambildung verordneten Schatzsuche wird zum menschlichen Offenbarungseids. Aus dieser Grundkonstellation – erdacht vom britischen Dramatiker, TV- und Drehbuchautor Tim Firth („Kalender Girl“) – hätte man durchaus etwas machen können. Dem egomanischen Seelenstriptease mangelt es weder an schwarzem Humor noch an darstellerischer Präsenz der durchweg spielfreudigen Herrenriege. Aber Regisseur Christian Brey taumelt in seiner Inszenierung fürs Düsseldorfer Schauspielhaus, die am Wochenende im Theater Gütersloh zu sehen war, allzu oft in die Abgründe ohnsorghaften Klamauks, stolpert über unnötig aufgebauschte triviale Tristesse und verfängt sich in überstrapazierter Egozentrik. Da ist das Scheitern vorprogrammiert – nahkampferprobte Pfanne und Outdoor-Machete hin, religiöse Eiferei und psychologische Kriegsführung her.

 Das Quartett der Gescheiterten wird von Neville angeführt. Das glaubt er zumindest. Moritz Führmann liefert die Studie einer verbindlichen, stets um Ausgleich bemühten Seele, deren Betulichkeit und Tatkraft sich aber rasch an den schroffen Felsen des unwirtlichen Eilands und an der leidvollen Erkenntnis, ein Versager zu sein, abwetzt.

 Dirk Ossig gibt den schnoddrig-aufbrausenden Gordon, der seine vermeintliche Überlegenheit in schimmerndem Sarkasmus wie eine Rüstung mit sich herumträgt. Mit Gift und Galle versucht er anderen das zerstören, was er selbst nicht hat: gut laufende Beziehungen.

Als Fleisch gewordenes Mittelmaß entpuppt sich Angus. Der mit Survival-Utensilien bestens ausgestattete Mann, servil dargestellt von Marcus Calvin, erweist sich als Karikatur eines Abenteurers. Und Vogelliebhaber Roy entpuppt sich als durchgeknallter Betbruder. Lutz Wessel spielt ihn als Prototypen eines Unberechenbaren.

Dass diese Vier nicht kompatibel sind, wird schnell klar. Denn schon in der Anfangsszene lassen die Herren nicht nur ihre nassen Hosen fallen, sondern auch ihre Zivilisationstünche. Dass die Inszenierung zwei Stunden braucht, um das als Botschaft zu zementieren, macht den Abend mitunter mühsam. Vom Publikum gab’s dafür artigen Applaus.

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