Mensch contra Maschinenintelligenz
Bild: Krinke
Entwickelt in seinem Roman „Now“  ein düsteres Szenario einer digital beherrschten Welt: Autor Stephan R. Meier bei seiner Lesung im Gütersloher Bambi-Kino.
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 Aber eines, das angesichts des rasanten technologischen Fortschritts gar nicht mehr so abwegig klingt. Wie sehr die Auswirkungen des digitalen Wandels die Gemüter bewegen, zeigte sich beim Auftritt des Münchener Autors im Rahmen der Bertelsmann-Lesereihe „Belesen“ am Dienstagabend Im vollbesetzten Gütersloher Bambi-Kino entspann sich eine ausführliche Diskussion über Chancen und Risiken der Maschinenintelligenz. Anders als viele Science-Fiction-Plots, spielt „Now“ nicht in einem fiktiven Sternenzeitjahr oder einer weit entfernten Galaxis, sondern (fast) in der Jetzt-Welt. 2026 setzt die US-Regierung einen intelligenten Algorithmus ein, um die außer Kontrolle geratenen Krisen – Kriege, Terrorismus, Verarmung, Hungersnöte, Umweltzerstörung – zu beenden und eine neue Ära des Friedens und der Harmonie einleiten. Doch dabei vernichtet das Maschinenhirn die Existenzgrundlage von 99 Prozent der Weltbevölkerung, indem es sie von Strom, Wasser und Informationen abschneidet. Milliarden Menschen gehen zugrunde – während einige wenige vom Algorithmus Ausgewählte ein luxuriöses Leben führen. Das funktioniert 30 Jahre lang gut. Bis Spark, Sohn eines „Now“-Entwicklers die gefährliche Allmacht des Algorithmus durchschaut, mit der verwahrlosten Welt in Berührung kommt und den Kampf gegen da maschinelle Superhirn aufnimmt.

Der technische Fortschritt habe ihn schon immer fasziniert, gestand Meier, dessen Vater in den 1970er-Jahren Präsident des bundesdeutschen Verfassungsschutzes war. Sechs Jahre lang hat Meier für seinen Roman recherchiert, vor allem bei den großen Internetunternehmen in den USA. Die Entschlossenheit und die Höhe der finanziellen Mittel, die Google, Facebook, Amazon und Apple in die Weiterentwicklung von Big Data und künstlicher Intelligenz investieren, habe ihn beeindruckt – und in eine widerstreitende Gefühlswelt versetzt: „Ich war erschrocken beim Gedanken daran, wie sehr diese Technologien unser Leben bestimmen könnten. Andererseits ist mir klar geworden, wie viel Potenzial für positive Veränderungen darin steckt.“

Was ihm Sorgen bereite, seien nicht die technischen Möglichkeiten, sondern „die Plan- und Hilflosigkeit, mit der Regierungen, und Institutionen wie die EU der digitalen Revolution gegenüberstehen.“ Laut Meier fehlen die rechtlichen, ethischen und moralischen Leitplanken, um die größtenteils noch unbekannten Kräfte, die durch Algorithmen freigesetzt werden, in für den Menschen nützliche Bahnen zu lenken.

Den kompletten Bericht lesen Sie in der  Gütersloher „Glocke“ vom 2. März.

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