Mindener Stichlinge liefern Jubiläumsshow
Bild: Poetter
Sticheln für ihr Leben gern: (v. l.) Frank Oesterwinter, Annika Lindemann, Kirsten Gerlhof und Rolf Berkenbrink in ihrer Jubiläumsvorstellung „Verliebt wie am ersten Tag“ in der Gütersloher Stadtbibliothek.
Bild: Poetter

Bibliotheksgeschäftsführerin Silke Niermann durfte sich am Mittwoch über ein ausverkauftes Haus freuen. Beim aktuellen Programm habe das Publikum ein Wörtchen mitzureden gehabt und per Votum Präferenzen aus den insgesamt 45 Programmen geäußert, machte Gründungsmitglied Birger Hausmann Appetit auf ein spannendes Stück Kabarettgeschichte.

Altgediente Persiflagen wie „Berliner Kakofoniker“, „En Schwatten“, „Steuersong“ und „Buch Buch“ haben erstaunlicherweise nichts an Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil: „Was einst als Satire gedacht war, ist oft Realität geworden“, sagt Hausmann und ist schon – gemeinsam mit seinen stichelnden Kollegen Rolf Berkenbrink, Kirsten Gerlhof, Annika Lindemann und Frank Oesterwinter sowie Stephan Winkelhake am Piano – in medias res.

Unter dem Motto „Aber schön war es doch“ zeigten sich die Kabarettisten so munter, ironisch und bissig wie am ersten Tag. Jenem 13. April 1966, der längst in die Annalen der Mindener eingegangen ist. „Mehr als 75 Akteure haben bei uns über die große und kleine Politik gestichelt“, betonte Hausmann stolz und nannte gleich zwei Beispiele: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger – „Sie hat bei uns politische Satire geübt, bevor sie Justizministerin wurde“ – und Bernd Gieseking, der das Kabarett zu seinem Beruf gemacht hat.

Es gibt kein Thema, vor dem die gut aufgelegten Akteure Halt machen. Sie werfen einen Blick auf die „Berliner Kakofoniker“, das teuerste Sinfonieorchester Deutschlands, „bei dem oft gestrichen und die falschen Töne gespielt werden“. Die Stichlinge verkaufen Alternativlose („Bei uns gewinnen auch die Nieten“), suchen den Dialog mit der Jugend, wobei die Akteure parallel und kräftig aneinander vorbeireden. Und auch die Bahn und das Gesundheitswesen bekommen bei ihnen ihr Fett weg. Im 46. Programm geht es aber auch um Flüchtlinge, um die „Schwatten“ und die deutsche Willkommenskultur. Ob Angela das schafft? In der Szene „Angie goes future“ parodierten die Kabarettisten eine „unkaputtbare“ Kanzlerin mit typischer Fingerzeig-Raute. Eine Frau, die ihrem Volk nicht nur ihren Klon schenken, sondern mit ihm in 39 Jahren auch Goldene Hochzeit feiern will – falls der Horst aus Bayern ihr die Show nicht versaut.

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