Misshandlungsprozess wird neu aufgerollt
Bild: Dinkels
Rechtsanwalt Martin Rother beim ersten Prozess am Amtsgericht im Gespräch mit dem Angeklagten, der sich mit einem Aktenordner vor den Kameras der Fotografen schützte.  
Bild: Dinkels

Der Prozess vor der siebten kleinen Strafkammer des Landgerichts beginnt am Mittwoch, 2. November (8.30 Uhr). Sechs Termine sind bis zum 16. November angesetzt. Erstinstanzlich war der Avenwedder am 8. April dieses Jahres am Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden („Die Glocke“ berichtete). Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, befindet sich der Mann auf freiem Fuß. Nach Angaben seines Rechtsanwalts arbeitet er in einer Tischlerei.

Der Ablauf des Geschehens am 27. April 2015 ist unstrittig. Im ersten Prozess hatte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt und Reue gezeigt. Der alkoholkranke Mann befand sich in Elternzeit und trug die Verantwortung für die drei Kinder. Am Tattag hatte er fast eine Kiste Bier geleert, als sein jüngster Sohn nicht aufhörte zu schreien und er die Kontrolle verlor. Mit an die 2,6 Promille Alkohol im Blut schnappte er sich den wehrlosen Jungen, ging mit ihm ins Badezimmer im Obergeschoss, schüttelte und schlug ihn wiederholt auf den Wickeltisch, so dass der Junge schwerste Verletzungen davontrug, darunter sieben Knochenbrüche, einen Schädelbruch und aus medizinischer Sicht am Schlimmsten: innere Blutungen.

Womöglich überlebte der Junge nur, weil die berufstätige Mutter rechtzeitig nach Hause kam und ihn mit der Großmutter sofort in die Kinderklinik Bethel brachte. Vor Gericht schlossen Mediziner eine anfängliche Lebensgefahr nicht aus, wenn der Junge nicht behandelt worden wäre. Außerdem schlossen sie bleibende physische und psychische Schäden nicht aus.

Trotz dieser Gewalttat stand die Ehefrau (33) zum Angeklagten und tut dies bis heute, wie Rechtsanwalt Rother der „Glocke“ sagte. Sie hatte sich deshalb mit ihrer Familie überworfen. Sein Bestreben sei mit Blick auf eine mögliche Familienzusammenführung, so Rother, dem Angeklagten eine Haftstrafe zu ersparen. Dazu müsste das Strafmaß auf weniger als zwei Jahre gesenkt werden, damit es zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Nach Angaben des Rechtsanwalts wurde der Junge mit Blick auf Folgeschäden inzwischen erneut von zwei Sachverständigen untersucht. Auch der Angeklagte sei untersucht worden um festzustellen, ob er seine Alkoholsucht überwunden habe. Nach stationärer Therapie befinde er sich jetzt in der Nachsorge.

SOCIAL BOOKMARKS