Mit dem Willen zur Macht an die Spitze
Frauen mit Biss: (v. l.) Inge Trame, Gleichstellungsstelle der Stadt, Fotografin Herlinde Koelbl, Liz Mohn, Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, Bürgermeisterin Maria Unger, Nathalie Hark, Sprecherin des Jugendparlaments Gütersloh und Journalistin Brigitte Büscher.

„Ich habe gerade beobachtet, wer von den weiblichen Gästen hier Hosen anhat und wer einen Rock. Zwei Drittel tragen Hosen“, sagte Koelbl. „Das Bild der Frau hat sich eigentlich erst in den vergangenen zehn Jahren stark verändert“, erklärte die 72-Jährige. „Denken Sie an Frauen wie Golda Meir, die ehemalige Ministerpräsidentin Israels, oder Margaret Thatcher, die ehemalige britische Premierministerin. Sie waren in ihrer Art Neutren. Auch Angela Merkel wäre nie Kanzlerin geworden, wenn sie als sexy Ding aufgetreten wäre.“ Dabei seien es oft die Geschlechtsgenossinnen selbst, die sich das Leben gegenseitig schwer machten, erläuterte Koelbl. „Es sind doch die Frauen, die über andere Frauen lästern, nicht die Männer.“

Männer sehen sich noch als Ernährer

Liz Mohn als weiterer Gast in der Gesprächsrunde, die von Journalistin Brigitte Büscher moderiert wurde, widersprach: „Ich habe bei meiner Arbeit erfahren, dass Frauen sich gut vernetzen.“ Die Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft zieht auch die Männer zur Verantwortung, wenn es um die Frage geht, warum die Gleichstellung der Geschlechter immer noch nicht selbstverständlich sei. „Die Männer haben das Bild von sich selbst noch nicht verändert“, sagte Liz Mohn. „Sie sehen sich immer noch als Ernährer der Familie.“

„Man muss für eine Sache brennen“

Dass der absolute Wille zur Macht, Biss und Durchhaltevermögen unbedingt notwendig sind, um in Politik und Wirtschaft die Spitzenplätze einzunehmen, darin waren sich die Frauen einig. „Man muss für eine Sache brennen, dann hat man auch den Biss, sich durchzusetzen“, betonte Bürgermeistern Maria Unger. Dass Männern auf dem Weg nach oben auch heute noch mehr Unterstützung erfahren, fasste Herlinde Koelbl zusammen: „Wenn Männer auf die Zielgerade gehen, gehen ihre Frauen oft mit. Sobald es den Frauen ernst ist, ziehen aber die Männer nicht mehr mit.“ Maria Unger führte ihren eigenen Mann dagegen als bestes Beispiel für partnerschaftliche Unterstützung an. „Er hält mir komplett den Rücken frei, so wie ich es früher für ihn getan habe, als unsere Kinder noch klein waren.“ Der Einschätzung, dass das Jahrhundert beste Voraussetzungen für die Frauen mit sich bringe, konnten sich auch Carina Gödecke, Präsidentin des Landtags NRW, und Nathalie Hark, Sprecherin des Jugendparlaments Gütersloh, anschließen. Sie diskutierten anschließend über die veränderte Rolle der Frau in der Politik.

SOCIAL BOOKMARKS