Mr. Music vom Dreiecksplatz ist tot
Im Alter von 72 Jahren ist der Musiker und Musikmanager Volker Wilmking, Herz und Motor der Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz, gestorben.

 Gütersloh verliert mit ihm einen ideenreichen und unermüdlichen Kulturmacher.

Schon seit früher Jugend ist das Jazzig-Bluesige Wilmkings Ding gewesen. Zwar leitete der junge Tubist am Evangelisch Stiftischen Gymnasium als Präside den dortigen Posaunenchor, und dirigierte von 1966 bis 1969 auch das Jugendmusikkorps Avenwedde. Aber als musikalischer Tausendsassa mochte er nicht nur das Traditionelle. Er spielte Piano, Querflöte und Saxofon, erst in den Bands The Marlins, Curzon House, Oceania, Steamboat Seven und Tin, seit 2012 im von ihm mitgegründeten Mousetrap-Jazztett. Und immer wieder rockte er als gern gesehener Gast mit den GT Small Stars die Weberei.

 Von 1980 bis 1999 tourte Volker Wilmking als Profimusiker mit Gerry Spooner durch die Lande und nahm mehrere Alben auf. Alles parallel zu seinem eigentlichen Job. Denn Wilmking, der gelernte Diplom-Kaufmann aus der bis 1970 weltweit erfolgreichen Luchs-Mausefallen-Dynastie Wilmking, betrieb seit 1975 einen Versandhandel für Noten und seit 1978 seine Musikalienhandlung, die „Musikiste“, am Dreiecksplatz. Hinzu kamen eine Künstleragentur samt Plattenlabel. 2000 hängte er das Touren an den Nagel.

 Aus gutem Grund, denn im Rahmen eines Ideenwettbewerbs zum damaligen Stadtjubiläum kam Volker Wilmking die Idee, den Dreiecksplatz als Open-Air-Veranstaltungsforum zu nutzen. Für das Programm sollte und wollte eine von ihm mitinitiierte Kulturgemeinschaft Sorge tragen. Wilmking wurde ihr erster und langjähriger Vorsitzender. Sein Ziel war von Anfang an klar: Das Publikum sollte die dargebotene Musik nicht nur als nur Berieselung erfahren, sondern durch deren Qualität und Vielfalt davon eingenommen werden. Eine Botschaft, die ankam.

Volker Wilmking erwies sich einmal mehr als großartiger Macher. Die Veranstaltungen „Freitag 18“ und die „Woche der Kleinen Künste“, aber auch die Tango-Milonga auf dem Dreiecksplatz sind längst zum Markenzeichen gediehen, haben Gütersloh auch über die Stadtgrenzen hinaus als musikaffine, immer wieder für eine Überraschung gute Ostwestfalen-Metropole etabliert. All das wäre ohne den Einsatz von Volker Wilmking nicht möglich gewesen. Seine Kontakte in der Musikszene, seine Erfahrung und auch seine Hartnäckigkeit – nicht zuletzt bei der Sponsorensuche – haben reiche Früchte getragen.

Ein Glück für die Stadt

Damit sind nicht nur alljährlich die in die Tausende gehenden Besucherzahlen auf dem Dreiecksplatz gemeint, sondern auch die offiziellen Anerkennungen. So wurde die Kulturgemeinschaft 2012 mit dem Tourismuspreis der Stadt ausgezeichnet – und Wilmking 2016 mit der längst überfälligen Verdienstmedaille der Stadt. „Gütersloh könne sich glücklich schätzen, Volker Wilmking zu seinen Bürgern zu zählen“, hatte Bürgermeister Henning Schulz dem damals schon Schwerkranken attestiert.

Dass der Jazzfreund aber auch ein Herz für die Klassik hatte, bewies er mit seinem Engagement als langjähriger Vorsitzender des Fördervereins der Westfälischen Kammerphilharmonie Gütersloh. Deren Dirigent Malte Steinsiek zeigte sich am Donnerstag beim Pressegespräch zum bevorstehenden Neujahrskonzert sehr betroffen über den Tod des langjährigen Förderers. „Ohne Volker Wilmkings Einsatz hätte unser Orchester kaum bestehen können.“

Am Samstag, 12. Januar, soll es ab 15 Uhr in der Weberei eine - klangvolle - Gedenkfeier für Freunde und Weggefährten Wilmkings geben, der seine Frau Anne sowie seinen Sohn Steffen und seine Tochter Birte hinterlässt. Thank you for the music, Volker Wilmking!

Weitere Reaktionen von langjährigen Weggefährten Volker Wilmkings lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 4. Januar.

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