Mundspülung schmeckt nach Pizza
Auf Thymianölbasis hat Falk Wannhof eine Mundspülung entwickelt. Hier zeigt er, wie er das Öl auf den Screeningtest tröpfelt.

Falk Wannhof (12) besucht die siebte Klasse des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums (ESG) in Gütersloh und ist ein wahrer Tüftler und Forscher. Schon dreimal hat er beim Projekt „Schüler experimentieren“ – der Vorstufe zu „Jugend forscht“ – teilgenommen. In diesem Jahr verfeinert der Schüler seine Arbeiten aus dem Jahr 2020, in dem Falk Wannhof nach Pflanzen geforscht hat, die eine antibakterielle Wirkung zeigen. „Ich habe damals mehrere natürliche pflanzliche Antibiotika gefunden“, sagt der Junge aus Harsewinkel. Mit dem erworbenen Wissen hat Falk beim aktuellen Projekt in einem praktischen Anwendungsbereich geforscht.

Ziel von Falk Wannhof war es, eine antibakterielle Mundspülung zu finden, die gegen Kariesbakterien wirkt. Dazu hat er mit Hilfe eines Screeningtests Kariesbakterien aus seinem Speichel gezüchtet und dann nach Substanzen gesucht, die das Wachstum der Bakterien hemmen.

Insgesamt hat Wannhof 56 Pflanzen untersucht. Dazu betröpfelte er mit Hilfe einer Mikropipette kleine Plättchen im Screeningtest mit den Pflanzenextrakten. Danach lagerte der Test mit den gezüchteten Kariesbakterien und den mit den Extrakten betröpfelten Plättchen bei 37 Grad für 48 Stunden in einem Brutofen. „Anhand eines Hemmhofs rund um die Plättchen habe ich dann gesehen, welche Pflanzen am besten wirken“, so Falk Wannhof. In diesem Hemmhof wurden die Kariesbakterien zurückgedrängt.

Thymianöl zeigt beste Wirkung

Acht Pflanzen zeigten beim Versuch eine Wirkung gegen die Kariesbakterien. Darunter waren Nelken- und Teebaumöl, schwarzer Tee oder auch Knoblauch. Besonders erstaunt war Falk Wannhof, dass auch Siwak Puder dazu gehörte. „Das Puder wird aus dem sogenannten Zahnbürstenbaum gewonnen, die Indianer nutzten es als Zahnpflege.“ Als Testsieger kürte der Schüler aber Thymianöl. „Das hatte die beste Wirkung gegen die Kariesbakterien.“

Im nächsten Schritt entwickelte Falk Wannhof eine Mundspülungsrezeptur mit dem Thymianöl in zwei Variationen. Für Erwachsene mischte er das Öl mit Alkohol, für Jugendliche und Kinder mit destilliertem Wasser. Falks Eltern Carola und Holger Wannhof sowie sein Bruder Paul dienten dabei als Versuchskaninchen und nutzten die Mundspülung zusätzlich zum normalen Zähneputzen. „Meine Mutter hat allerdings nach drei Tagen aufgegeben“, sagt Falk lachend. Sie habe den Geschmack zu eklig gefunden. Papa Holger und Bruder Paul hielten aber tapfer durch und zeigten sich vom Ergebnis ebenso verblüfft wie Falk selbst. „Erstaunlicherweise wirkt das Thymianöl im destilliertem Wasser besser als im Alkohol.“

Bakterienmenge nach einer Woche deutlich reduziert

In unterschiedlicher Ausprägung wurde bei jedem Probanden festgestellt, dass die Bakterienmenge nach einer Woche deutlich reduziert wurde. Falk und sein Bruder Paul (15) waren sich am Ende einig. „Die wässrige Mundspülung ist nützlich und lecker.“

Sie schmecke stark nach Pizza, berichtet der Tüftler. Und deshalb entstand auch der plakative und neugierig machende Arbeitstitel des Experimentes „Pizzamundspülung und ihre antibakterielle Wirkung auf Kariesbakterien“.

Das Projekt wird Falk Wannhof am morgigen Samstag beim Regionalwettbewerb „Schüler experimentieren“ vorstellen. Normalerweise findet dieser immer in Herford statt, aber aufgrund der Pandemie wird die Vorstellung digital vorgenommen. Auf die Hilfe seiner Projektbetreuerin Dr. Maria Hunfeld kann sich Falk Wannhof jederzeit verlassen. Die Chemielehrerin am Evangelisch Stiftischen sei eine große Stütze und sei immer ansprechbar gewesen, sagt Falk Wannhof dankbar. „Das ist schon richtig toll.“

Ziel: Jury begeistern

Selbstverständlich möchte Falk Wannhof mit seinem ausgefallenen Projekt die Jury begeistern und nach Möglichkeit seinen Gewinn vom Vorjahr wiederholen. Damals hatte sich der Schüler für den Landeswettbewerb in Dortmund qualifiziert, der aber aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurde.

Mit seiner Tüftelei hat es Falk Wannhof sogar schon ins Fernsehen geschafft. Gemeinsam mit seinem Bruder Paul stellte er in der MDR-Sendung „Einfach genial“ einen „Handyblocker“ vor. Dazu verbauten die Jungs in einer Auto-Mittelkonsole eine Apparatur, die unangenehm piept, wenn das Smartphone nicht darin befestigt ist. Mit dieser Idee wollten Falk und Paul Wannhof verhindern, dass Autofahrer während der Fahrt vom Smartphone abgelenkt werden.

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