Musikverein huldigt Mendelssohn
Bild: Heumüller
Der Städtische Musikverein und die Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Professor Karl-Heinz Bloemeke in der Gütersloher Stadthalle.
Bild: Heumüller

Zum anderen ist im Lauf der Geschichte vieles von den ambivalenten Einschätzungen über den Lobgesang hängen geblieben. Ohne Zweifel jedoch stellt er in seiner Synthese von Chor und Orchester einen essenziellen Beitrag für das symphonische Komponieren seiner Epoche dar.

Der Städtische Musikverein unter der Leitung von Karl-Heinz Bloemeke hat das in einer opulenten Aufführung der „Symphonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift“, wie der Komponist sie bezeichnete, gewürdigt. Sie wurde am Sonntag in der nicht ausverkauften Stadthalle mit viel Anerkennung bedacht.

Als Ergänzung führten zwei Werke der französischen Romantik thematisch zum Hauptwerk des Abends hin: der 150. Psalm sowie der 3. Choral in a-Moll von César Franck mit Jan Croonenbroek an der Stadthallen-Orgel. Die allerdings schien für ein solches Werk – insbesondere wegen des Fehlens fülliger Bassregister – nur eingeschränkt tauglich. Der gewiefte Solist machte möglich, was dennoch möglich war, und zeigte sich als Könner im agogischen Spiel, wie der Komponist selbst es bevorzugte.

Mehr als 500 Beteiligte wirkten an der Uraufführung des Lobgesangs in Leipzig mit. Die seinerzeitigen Besetzungsverhältnisse zu reproduzieren, ist sicher nicht Ziel von Bloemekes Aufführungskonzept gewesen. Erkennbar war es aber auf die Wirkung angelegt, die Mendelssohn mit der gigantischen Besetzung ins Auge gefasst hatte. Dennoch: Eine abgespecktere, schlankere Version hätte der Gesamtästhetik gut getan. Besonders gilt dies für die massiert besetzte Philharmonie Südwestfalen, die der dynamischen Balance zwischen Chor und Orchester wenig dienlich war. So konnte der in sich bestens austarierte Chor nur phasenweise seine differenzierten Ausdrucksmöglichkeiten hörbar entfalten, am schönsten vielleicht im Choral „Nun danket alle Gott“.

Überlegen agierten die Solisten. Sie waren es, die dem monumentalen Konzerterlebnis die Seele grandioser Festmusik einhauchten. Dabei wären Nadine Lehner und Constanze Meijer allein schon ob ihrer strahlenden Stimmfülle das Kommen wert gewesen. Am Sonntagabend jedoch widerfuhr ihnen das „Pech“, mit Abdellah Lasri einen Tenor an ihrer Seite zu finden, der mühelos Expressivität und Leuchtkraft, Dramatik und Souplesse miteinander in Einklang zu bringen verstand. Sein Solo „Stricke des Todes – Hüter ist die Nacht bald hin“ war eine seltene Offenbarung.

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