Nasse Küsse von drei tierischen Clowns 
Bild: Kinder
Ist das schön: „Glocke“-Mitarbeiter Jens Dünhölter bei seinem Schwimmtraining mit den Seelöwen des Circus Krone.
Bild: Kinder

Gegen eine entsprechende Belohnung ihres Herrchens Roland Duss (57), jonglieren die drei mit Bällen wie Arjen Robben, tanzen wie Fred Astair, sausen durchs Wasser wie die Weltmeister im Freistil, blödeln herum wie Harald Schmidt und sind sogar noch ein wenig anhänglicher als meine Freundin Regina. Die 30 Minuten mit den Tieren werden zum unvergesslichen Erlebnis. Wir schwimmen, tauchen, spielen gemeinsam im Becken. Und immer wieder bekomme ich einen feuchten Knutscher von den ausgelassenen Clowns.

Der mit den Seelöwen schwimmt

Doch von vorn: Der Arbeitsauftrag war klar. Ein Freiwilliger wurde gesucht, der zu den Seelöwen ins Wasser steigt. Mangels Alternativen durfte ich die Aufgabe übernehmen. Und so hieß es am Freitagvormittag: hinein in das Raubtier-Becken. Schon von weitem ist das Bellen der Tiere zu hören. Eigentlich ist jetzt Fütterungszeit. An diesem Tag gibt es statt Fisch für die rund 220 bis 250 Kilo schweren Kraftpakete eben Journalist als Zwischen-Mahlzeit. Der flapsig geäußerte Spruch eines Freundes ist natürlich Blödsinn.

Ein bisschen kamerasüchtig

Die vier von Tiertrainer Roland Duss ausgebildeten kalifornischen Ohrenrobben sind nicht nur extrem menschenaffin, sondern auch ein bisschen kamerasüchtig. Bewiesen haben sie das acht Jahre lang in 76 Episoden der Fernseh-Serie „Hallo Robbie“. Der kräftige Chicco war sogar das Gesicht der acht Staffeln. Die erste Überraschung wartet schon außerhalb des Beckens. Tino stürmt auf mich zu. Er nötigt mich förmlich, ihn zu umarmen. Das Gefühl ist eigenartig. Statt der erwarteten glatten Oberfläche wartet ein nasses Fell, dass sich anfühlt wie feuchter Hund. Im Pool geht das Geschmuse weiter. Im Handumdrehen bin ich von den Wasserakrobaten umringt.

Es fühlt sich gigantisch an

Wie behände, schnell und wendig die Tiere sind, zeigt sich nach der ausgiebigen Steicheleinheit bei der ersten Fahrt mit dem Wasser-Taxi. Kaum liegen die Hände an Chiccos Seiten, beginnt die wilde Tour. Bei der nächsten Runde durch den Pool halte ich mich an Chicco und Tino fest, Joe schiebt von hinten. Kann man durchs Wasser fliegen? Es scheint so. Mit dem Seelöwen-Express würde ich im Nordbad alle anderen Schwimmer überholen. Ob ich sie mir mal ausleihen kann? Roland Duss lacht nur, und bittet mich, mich auf den Rücken zu drehen. Die Raubtiere legen ihre Nasen an meine Füße und schieben mich rückwärts. Es fühlt sich gigantisch an. Die halbe Stunde ist viel zu schnell vorbei. Zum Abschied gibt es von meinen drei neuen Freunden noch einen feuchten, nach Fisch riechenden Schmatzer auf die Wange. Ab heute Abend darf mich wieder nur meine Freundin küssen. Versprochen.

Jens Dünhölter

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