Naturschützer markieren Bäume an B 61
Bild: Walkusch
„Hier abschneiden“: Die Aktivisten gegen den Ausbau der B 61 haben schon einmal markiert, an welcher Stelle der Baum abgesägt werden könnte, sollte er einer weiteren Fahrspur weichen müssen. Der bittere Spott ist nicht zu übersehen. Auf dem folgenden Baum steht nur „No“.
Bild: Walkusch

Der Umriss eines Menschen scheint einen der Bäume zu umarmen. Auf einem anderen ist die Rinde mit einem Herz bemalt. „Stop B 61“ lautet der Slogan auf einem weiteren Stamm. 

„Die Besatzung eines Streifenwagens hat sich die Markierungen angesehen“, sagt ein Sprecher der Polizei Gütersloh auf Nachfrage. Das Kommissariat Umweltdelikte sehe nach der Begutachtung keinen Grund, weiter zu ermitteln. „Das würden wir nur, wenn zu erwarten wäre, dass die Bäume durch die Farbe so stark geschädigt würden, dass sie gefällt werden müssten.“

Farbe greift Rinde nicht an

Die Markierungen werden den Straßenbäumen keinen Schaden zufügen. Das versichert ein Aktiver, der sich mit zahlreichen anderen Naturschützern gegen den vierspurigen Ausbau der B 61 einsetzt, auf Nachfrage der „Glocke“. Die weiße Farbe werde von Fachbetrieben eingesetzt, um junge Bäume beim Anwachsen zu schützen. Wie berichtet, ist für Sonntag, 22. September, eine Fahrraddemo gegen den Ausbau der B 61 geplant. In zwei Kolonnen wollen die Teilnehmer auf ihren Rädern aus Richtung Gütersloh und aus Richtung Bielefeld auf der B 61 aufeinander zufahren und sich in Höhe des Schenkenhofs treffen. Die Zeichen an den Eichen sind offenbar ein Hinweis auf die Demo und auf die Forderung der Fahrradaktivisten.

Piktogramme erregen Aufmerksamkeit

Die Bürgerinitiative Energiewende Gütersloh und der Radentscheid Bielefeld rufen für Sonntag, 22. September, im Rahmen der globalen Klimawoche zu einer Demonstration gegen den vierspurigen Ausbau der B 61 zwischen Bielefeld, Gütersloh und weiter nach Rheda-Wiedenbrück auf.

Unterstützt werden die beiden Gruppen vom ADFC Bielefeld und Gütersloh, VCD OWL, GNU Gütersloh, Critical Mass Gütersloh, Fridays for Future Gütersloh, Parents for Future Kreis Gütersloh, Transition Town Bielefeld, BUND, Attac Gütersloh und weiteren Umweltverbänden.

Kurt Gramlich, Mitglied der Bürgerinitiative Energiewende, erklärt, die Pläne, die B 61 zu verbreitern, seien nicht zeitgemäß. Mehr Verkehr sei klimaschädlich. Nach der Genehmigung, den Lückenschluss der A 33 zu vollziehen, habe es geheißen, danach sei kein weiterer Straßenausbau vorgesehen. Die geplante Verbreiterung der B 61 auf vier Spuren sei aber eine Folge des Autobahnausbaus. Die Organisationen, die gegen den Ausbau demonstrierten, wollen möglichst viele Bürger ins Boot holen, um die Verbreiterung zu verhindern.

Bäumebemaler bleibt anonym

Anette Klee, Versammlungsleiterin der Demo, findet die Markierung an den Bäumen gelungen. „Ich habe davon erfahren, weil einer meiner Radfahrkumpels heute früh dort vorbeigeradelt ist und mir Fotos geschickt hat“, sagt sie und betont, dass sie nicht weiß, wer die Markierungen angebracht hat. „Aber ich habe in den Gesprächen der vergangenen Tage festgestellt, dass vielen Menschen der drohende Verlust der vielen alten Bäume nahe geht. Auch für mich ist er einer der Hauptgründe, die Demo durchzuführen. Scheinbar hat da jemand seiner Sorge Ausdruck verliehen. Ich finde, es sieht sehr schön aus.“

Straßen NRW bespricht weiteres Vorgehen

Ob die Bäume für den Ausbau der B 61 überhaupt gefällt werden müssen, werde sich erst nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung ergeben, die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens noch aussteht, erklärt Sven Johanning, Sprecher des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW) auf Nachfrage. Mitarbeiter von Straßen NRW würden sich die Markierungen ansehen und prüfen, ob es sich wirklich um die Farbe handelt, die zum Schutz von Bäumen eingesetzt werde. „Es wäre wenig sinnvoll, wenn Naturschützer etwas verwenden würden, was den Bäumen schadet“, sagt er. Dann werde entschieden, ob die Markierungen entfernt würden. Auch rechtliche Schritte behalte sich Straßen NRW vor.

Demonstrationszug mit mehreren hundert Teilnehmern

Der Demonstrationszug in Gütersloh startet am 22. September um 15 Uhr am Rathaus, in Bielefeld zur selben Zeit am Kesselbrink. Tour und Kundgebung sind angemeldet und werden von der Polizei begleitet. Es werden mehrere hundert Teilnehmer erwartet.

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