Neuerungen beim Reinhard-Mohn-Preis
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Vorstandsmitglied Jörg Dräger, der Vorstandsvorsitzende Aart De Geus und Vorstandsmitglied Liz Mohn (v.l.) von der Bertelsmann Stiftung haben am Dienstag den Jahresbericht 2012 und die Schwerpunkte der Arbeit in diesem Jahr vorgestellt.
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Ein zentrales Thema sei angesichts von Europamüdigkeit und um sich greifender Euro-Skepsis die Vision der Vereinigten Staaten von Europa, sagte der Stiftungs-Vorsitzende Art de Geus am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichts 2012 in Gütersloh.

Die Stiftung hält rund 77 Prozent der Anteile am Medienkonzern Bertelsmann und widmet sich Themen wie Bildung, Wirtschaft, Soziales und Gesundheit.

Der Reinhard-Mohn-Preis 2013 wird womöglich erst 2014 verliehen. Anstelle der bisher geplanten Preisverleihung soll im Herbst in Berlin ein Symposium zum Thema nachhaltige Politik stattfinden. Damit weicht die Stiftung bei der alle zwei Jahre stattfindenden Ehrung von ihrer bisherigen Linie ab. Ursprünglich war als Preisträger ein Land gesucht worden mit einer erfolgreichen Strategie für eine nachhaltige Zukunft. Auf diese Weise sollte eine Debatte zur Ausgestaltung und Umsetzung nachhaltiger und generationengerechter Politik in Deutschland und auf internationaler Ebene angestoßen werden.

Die gefundenen Lösungen seien aber nicht auf Deutschland übertragbar, sagte Geus. Stattdessen hätten Vorstand und Kuratorium beschlossen, „eine Persönlichkeit auszuzeichnen, die sich international in herausragender Weise um das Thema Nachhaltigkeit verdient gemacht hat“. Das ist ein Novum in der Geschichte des mit 150 000 Euro dotierten Preises, der erstmals 1988 als Carl-Bertelsmann-Preis vergeben wurde. Wer den Preis bekomme, stehe noch nicht fest. Auch ein Termin werde zu gegebener Zeit bekanntgegeben. Bisher hatte die Verleihung stets im Rahmen eines aufwändigen Festakts in Gütersloh stattgefunden. Ob das so bleibt, war am Dienstag nicht zu erfahren. Zuletzt hatte die brasilianische Stadt Recife 2011 den Reinhard-Mohn-Preis erhalten. Er erinnert an den 2009 gestorbenen Unternehmer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Theater die Festrede gehalten.

 Beim Symposium in Berlin sollen die gefundenen Strategien erörtert werden. Fünf Länder waren in die engere Wahl gekommen, aber keins taugte als Vorbild für Deutschland. Inhaltlich konzentriert sich die Bertelsmann Stiftung in diesen Tagen auf Europa und den Euro.

Angesichts einer wachsenden Skepsis in den Mitgliedsstaaten der Union setzen sich die Gütersloher dafür ein, die Vision der Vereinigten Staaten für Europa zu verwirklichen. „Um die Legitimationsdefizite zu beseitigen, muss die Währungsunion endlich zu einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wertegemeinschaft ausgebaut werden“, sagte Aart De Geus. Ohne den Euro würde die Union auseinanderfallen und hätte im globalen Wettbewerb das Nachsehen. Am Montag hatte die Stiftung eine Studie der Prognos AG vorgelegt, die den Wert Europas gerade auch für Deutschland unterstreicht. „Eine Rückkehr zur D-Mark würde erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten.

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