Neujahrskonzert mit französischem Flair
Bild: Heumüller
Unter der Leitung von Malte Steinsiek (Bild, Mitte), absolvierte die Westfälische Kammerphilharmonie bei ihrem Neujahrskonzert in der Gütersloher Stadthalle ein französisches Programm.
Bild: Heumüller

Eine seit langem ausverkaufte Stadthalle bezeugte dies am Sonntag unübersehbar. Seit ihrer Gründung hat sich die Westfälische Kammerphilharmonie unter der Leitung von Malte Steinsiek längst durch die Aufführung auch weniger geläufiger, stilistisch höchst unterschiedlicher Werke profiliert. Elegante Musik durchweg französischer Provenienz mit weniger bekannten, aber hochkarätigen Werken bestimmte diesmal den effektvoll kompilierten Programmzuschnitt. Sie reinigte die von allzu gängigen Hörgewohnheiten saisonal verstopften Gehörgänge.

Dem stand die schmissige Ouvertüre zu Jacques Offenbachs Operette „Pariser Leben“ nicht im Weg, bildete sie doch den perfekten Kontrast zu der Suite „Children’s Corner“ von Claude Debussy. Von den Schwierigkeiten, den Sitz der Musen zu erklimmen, berichtet augenzwinkernd „Doctor Gradus ad Parnassum“, während die filigrane „Serenade For The Doll“ in Golliwogs „Cake-Walk“ direkt zu den diversen Köstlichkeiten des Kuchenbüfetts führte – unüberhörbar von locker-zart bis sahnig-üppig.

1948 schrieb Henri Tomasi sein Konzert für Trompete und Orchester, das dem Solotrompeter Max Westermann wie auf den Leib komponiert schien. Der brillante Stargast der Matinee formte die musikalische Rarität zu einem absoluten Leckerbissen, der nicht nur dem Auditorium höchste Konzentration abverlangte. Läufe mit den unbequemsten Intervallsprüngen über den gesamten Ambitus des Instruments, vornehmlich in der Cadenza, meisterte Westermann in traumhafter Virtuosität – rein, weich und klar.

„Ich habe mich der modernen Tonsprache nicht verweigert, aber die Melodie dabei nie verleugnet“, zitierte Moderator Wittus Witt den Komponisten dazu. Der bekannte Magier, Meister der Illusionskunst wie der Situationskomik, jonglierte die Zuhörer zum 15. Mal mit Sprachgewandtheit, Wortwitz und Schlagfertigkeit durchs Programm.

 Francis Poulenc und Germaine Tailleferre steuerten je zwei Sätze aus „Les Mariés de la Tour Eiffel“ bei, ehe Emmanuel Chabrier die Zuhörer mit der „Rhapsodie Espana“ tief in spanisches Flair tauchte. Und es gab noch zwei Zugaben. Die „Jeux d’enfants“ von Bizet portraitierten – nur von den Streichern in mildem Glanz gespielt – Kinder, die ganz in ihr Spiel versunken sind. Und es kam, was kommen musste: Offenbachs Cancan, der „Galop d’enfer“ aus „Orpheus in der Unterwelt“. Da flogen im Kopfkino die Röcke hoch.

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