Notfallpatientin über Stunden ohne Betreuung 
Bild: Blumenstein
Im Klinikum Gütersloh ist eine vom Facharzt überwiesene Notfallpatientin nach ihrer Aussage stundenlang ohne ärztliche Versorgung geblieben – in einem Bett auf dem Stationsflur.
Bild: Blumenstein

Das Klinikum bestreitet nicht, dass die Patientin nach der Aufnahme fünf Stunden lang warten musste, bis ihr ein Zimmer zugewiesen wurde und die ärztliche Untersuchung begann, und bedauert das auch in einer Stellungnahme ausdrücklich. Grund sei eine außergewöhnlich hohe Zahl von Notfällen wegen Grippe und Magen-Darm-Erkrankungen gewesen. Ohne Betreuung jedoch sei die Patientin nicht gewesen.

Am 31. Januar hatte Erika Garthe ihren niedergelassenen Lungenfacharzt aufgesucht, weil sie kaum Luft bekam und starke Schmerzen beim Atemholen hatte. Kurz vor Weihnachten war der herzkranken Seniorin ein Defibrillator eingesetzt worden. Der Arzt veranlasste am späten Nachmittag eine Überweisung für nähere Untersuchungen ins Klinikum. Vereinbart war, dass Garthe sich am nächsten Morgen um 10 Uhr dort einfinden sollte. Auf Station 18 sei ein Bett für sie reserviert. So steht es in einem Schreiben, das der Arzt ihr mitgab, nachdem er mit dem Krankenhaus telefoniert hatte.

Erika Garthe suchte das Klinikum um 9 Uhr auf, wurde gegen 10 Uhr aufgenommen und bekam ein Bett. „Darin lag ich dann fünf Stunden lang auf dem Stationsflur“, berichtet sie im Gespräch mit der „Glocke“. Es sei gar nicht mal die Zeitspanne, die sie so empöre, sagt sie – selbst gelernte Krankenschwester –, sondern dieses: „Kein Arzt hat sich gekümmert.“ Gegen 13 Uhr habe sie die Stationssekretärin angesprochen. „Mir ging es sehr schlecht“, so Erika Garthe. 30 Minuten später sei eine Ärztin erschienen, die sich aber für nicht zuständig erklärt habe. Erst gegen 15 Uhr kam die 74-Jährige auf ein Zimmer und wurde untersucht. „Das geht doch nicht, dass ein Patient stundenlang keine ärztliche Versorgung erhält“, findet Erika Garthe, die ihre Krankenkasse unterrichtet hat und den Vorfall dort schriftlich einreichen soll.

Um Stellungnahme gebeten, bestätigt Anne Reichenbach, kaufmännische Direktorin des Klinikums, die Angaben der 74-Jährigen weitestgehend. Allerdings erklärt sie: „Die Patientin wurde selbstverständlich während ihrer Wartezeit auf den Arzt und das Zimmer vom Pflegepersonal der Station betreut, so dass sie nicht allein war und ihr Gesundheitszustand beobachtet wurde.“ „Ich habe Getränke und das Mittagessen bekommen, aber keinerlei ärztliche Versorgung“, betont Erika Garthe. „Und das ist es, was ich kritisiere.“

Anne Reichenbach erläutert, die lange Wartezeit sei „überhaupt nicht glücklich“ und der „großen Anzahl an Grippe- und Atemwegserkrankten sowie Magen-Darm-Patienten“ geschuldet. Dadurch sei das Klinikum zurzeit „besonders stark frequentiert“. Dabei könne es zu Wartezeiten kommen, was man ausdrücklich bedaure. Das für Erika Garthe reservierte Bett habe in der Nacht wegen eines Notfalls nicht freigehalten werden können. Und bis wieder eins frei war, habe es wegen der vielen Patienten ungewöhnlich lange gedauert. Mittlerweile sei die vor zwei Wochen aufgekommene Krankheitswelle etwas abgeebbt, berichtet Anne Reichenbach: „Zur Wochenmitte hin hatte sich die Situation etwas entspannt.“ Erika Garthe findet dennoch: „So darf man nicht behandelt werden, egal ob alt oder jung.“

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