„Nur wer betroffen ist, kann berühren“
Als Bühnenstar nicht nur an der Wiener Burg gefeiert, als Filmstar international renommiert: Klaus Maria Brandauer. Der Mime ist am Donnerstag mit seiner Version vom „Sommernachtstraum“ zu Gast im Theater Gütersloh.

  Am Donnerstag, 29. Januar, ist der gefeierte Mime mit seiner Ein-Mann-Version vom „Sommernachtstraum“ – musikalisch untermalt vom Grau-Schumacher-Piano-Duo – erstmals zu Gast im (ausverkauften) Theater Gütersloh. „Die Glocke“ hatte vorab exklusiv Gelegenheit zu einem Interview mit dem 70-Jährigen.

„Die Glocke“:  Herr Brandauer, Sie haben 1963, gerade mal 20 Jahre jung, mit „Maß für Maß“ in Tübingen Ihr Debüt gegeben. Wie anders ist Ihr Shakespeare als 70-Jähriger?

 Brandauer:  Da sind 50 Jahre mehr Leben drin. Das ist doch das Wichtigste, wenn man auf der Bühne steht, dass man selber darin vorkommt, in dem was man macht. Denn nur wenn man selber betroffen ist, dann schafft man es, andere zu berühren. Alles andere funktioniert nicht oder nur scheinbar. Max Reinhardt hat das sehr schön gesagt: „Es geht um Enthüllung, nicht um Verstellung!“

 „Die Glocke“: Was hat Sie animiert, die Fünf-Stunden-Komödie in ein pralles 90-Minuten-Stück zu verwandeln?

Brandauer: Wenn die Essenz gut ausgewählt ist und stimmt, dann ist das kein Problem. Ein Satz kann für alles stehen und alles für nur einen einzelnen Satz. Man darf keine Angst vor Verlusten haben, wir sind beim Theater. Aus der Beschränkung kann eine große Kraft erwachsen.

  „Die Glocke“:  Sie haben nahezu alle großen Rollen des klassischen Theaters gespielt, vorrangig am Wiener Burgtheater – und werden seit Jahrzehnten gefeiert. Wie geht man mit solch einem andauernden Erfolg um?

Brandauer:  Das ist viel einfacher, als man denkt. Weil immer nur das aktuelle Projekt entscheidend ist, der kommende Abend. Ich möchte gern gut sein, darauf konzentriere ich mich und das zieht meine ganze Kraft auf sich. Ich bin ja nicht der, der ich war, sondern der, der ich bin.

Den Tod als Uraufführung begreifen

„Die Glocke“:  Haben Sie Angst vor jener Zeit, wenn der Applaus nicht mehr zu Ihrem Alltag gehört?

Brandauer:  Nein, überhaupt nicht. Es geht im Leben nicht um Applaus. Und Schauspieler sein, ist kein Ersatz für nicht gelebtes Leben. Ich bin unzählige Tode auf der Bühne gestorben, jedes Mal wieder aufgestanden – und die Leute haben geklatscht. Das hat mit meinem eigenen Tod herzlich wenig zu tun. Der wird dann Uraufführung, wie bei einem jeden von uns.

„Die Glocke“:  Sie sind ein umschwärmter Bühnen-Grande und Filmstar. Hat es Sie nie gereizt, nach Welterfolgen wie „Mephisto“, „Sag niemals nie“ oder „Jenseits von Afrika“ in Hollywood zu bleiben?

Brandauer:  Die Frage hat sich für mich nie gestellt, ich war immer Theaterschauspieler und hätte das nie aufgegeben. Ich wollte immer das eine tun, ohne das andere zu lassen. Die Gelegenheit hätte sich öfters geboten, aber ich wollte nicht. Als wir „Jenseits von Afrika“ gedreht haben, bin ich jedes Wochenende von Nairobi zurück nach Wien geflogen, weil ich ja der Hamlet am Burgtheater war und Vorstellung hatte. Das war für mich vollkommen selbstverständlich und ist es bis heute.

„Die Glocke“:  Stimmt es, dass Sean Connery Sie überreden musste, für „Sag niemals nie“ den Bösewicht bei James Bond zu spielen? 

Brandauer: Ja, und es ist ihm ja auch gelungen, und zwar mit dem künstlerisch überzeugenden Argument: „Wir werden eine Menge Spaß haben und eine Menge Geld.“

„Die Glocke“:  „Aalglatt“, „narzisstisch“, „perfide“, „sardonisch“ – das sind Attribute, mit denen Ihre Darstellung oft beschrieben wird. Wären Sie gern einmal der simple Traumprinz gewesen, statt all der kantigen Typen und gebrochenen Seelen, die Sie dargestellt haben und noch immer spielen?

Brandauer:  Ich lese das auch immer mal wieder und muss Ihnen sagen, dass ich mich darin nicht wiederfinde. Menschen sind nicht so eindimensional, zumindest kenne ich kaum solche. Wenn mich mancher so wahrnimmt, dann kann ich nichts machen, das muss ich einfach hinnehmen. Und das kann ich auch.

 Wie Klaus Maria Brandauer mit  schlechten Kritiken umgeht, was er bedauert und was er sich wünscht, lesen Sie im kompletten Interview in der Gütersloher „Glocke“ vom 28. Januar.

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