Ohnsorg-Theater: Der Name ist Programm
Bild: Fantitsch
Volkstheater im besten Sinn des Wortes: Das Ohnsorg-Ensemble begeisterte beim Gastspiel in Gütersloh.
Bild: Fantitsch

 Und dort trieb es am Montag vor ausverkauftem Haus üppige nostalgische Blüten. Regisseur Michael Koch hat die Geschichte um den kantigen und sturen Bäckermeister Hinzpeter ins Jahr 1975 verlegt. Mit einem stimmigen Bühnenbild von Katrin Reimers: Sessel, Tapete und Telefon verstrahlen den Chic des Prilblumen-Jahrzehnts. Die Ohnsorg-Fans kamen voll auf ihre Kosten.

Bäckermeister Heinrich Hinzpeter (Till Huster) ist ein Mann von Statur und Charakter. Hat er doch vor 23 Jahren, als sein leichtfüßiger Bruder Fritz (Michael Koch) nach Amerika ausgebüxt ist, dessen schwangere Braut Selma (Marina Zimmermann) geheiratet. Die Ehe ist jedoch seit Jahren geschieden. Jetzt, passend zu Oma Doras 90. Geburtstag, hat Fritz, der Selfmademann mit pastoralem Gehabe aus New York, sein Kommen angekündigt.

 Dass Hein nicht besonders erfreut ist, liegt auf der Hand: Der Bäckermeister fürchtet, dass Tochter Gisela (Eileen Weidel) erfährt, wer ihr leiblicher Vater ist. Und als würde das nicht genug Chaos mit sich bringen, geht es in der turbulenten Komödie auch um die Liebe – mit all den Irrungen und Wirrungen, die diese bekanntlich nicht sich bringt.

Denn die anschmiegsame Gisela hat in dem Finanzbeamten Detlef Düwel (Christian Richard Bauer) den Mann fürs Leben gefunden. Vater Hein dagegen möchte sie lieber mit seinem linkischen Gesellen Karl Kröpelin (Stefan Leonard) verkuppeln – zur Erhaltung der Dynastie Hinzmann. Und mittendrin im ganzen Trubel: Lehrling Peter, gespielt von Lara-Maria Wichels, der mit viel Temperament über die Bühne wirbelt und zu allem seinen Senf gibt.

Dass diese Geschichte am Ende gut ausgeht, liegt nicht zuletzt an der mit allen Binnenwassern gewaschenen Oma Dora. Wenn sie attestiert „Ich bin noch nicht tüdelig“ und mit ihrem Gehstock droht, spurt die Bande. Gisela kriegt ihren Detlef. Und auch Hein und Selma wollen es noch einmal miteinander versuchen. Volkstheater im besten Sinn, so wie man es von früher kennt. Jede Menge Pointen und Bonmots, dazu gut aufgelegte Schauspieler. Die Gütersloher hatten ihren Spaß. „Ein schöner Abend“, schwärmte eine Besucherin. Was will ein Veranstalter mehr?

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