Online-Handel fängt kleinen Teil auf
Bild: Scheffler
Als „Deal des Tages“ verpackte Azubi Alexandros Agelakis am Dienstag unter den Augen von Geschäftsführer Markus Finke eine im Internet bestellte Leichtdaunenjacke.
Bild: Scheffler

Geschäftsführer Markus Finke hat jedoch nichts dagegen, dass die Tageszeitung nachschaut, wie ein lokaler Einzelhändler während der Corona-Pandemie mit einem Online-Shop die Ärmel hochkrempelt. Auch Kollegen „stecken jetzt nicht den Kopf in den Sand“, wie Michael Menke vom Modehaus Eusterhus betont. Unter dem Motto „Starker Handel – jetzt erst recht“ wollen die Gütersloher Geschäftsleute ein positives Ausrufezeichen in der Corona-Krise setzen. „Der 17. März war der schlimmste Tag meiner unternehmerischen Laufbahn“, erinnert sich Markus Finke daran, wie er seine Geschäfte in Gütersloh und Bielefeld zugeschlossen hat. „Der Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze steht über allem“, sagt der 52-Jährige. Seine Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. Weil diese Maßnahme aber nicht bei Auszubildenden greift, haben Alexandros Agelakis und Dustin Fölling den Dienst im lokalen Online-Shop übernommen.

40 000 Artikel stehen laut Finke im Gütersloher Geschäft am Kolbeplatz bereit. Weil sich in Deutschland aber unter dem Genossenschaftsdach Intersport etwa 1000 selbstständige Händler befinden, stehe ein Artikel-Volumen zur Verfügung, das das des größten Internet-Versandunternehmens übertreffe. Gebe es also in Gütersloh eine bestimmte Ware nicht, werde sie von einem Kollegen geliefert, der sie auf Lager hat, sagt Finke. Mit dem Internet-Handel ließen sich 15 Prozent des sonst üblichen stationären Umsatzes erzielen. „Das hilft, die fünf Wochen zu überbrücken“, setzt der Unternehmer darauf, dass es am 20. April weitergeht. „Sonst wird es schwer zu überleben.“

„Die Kunden wollen jetzt zu Hause charmant sowie nett unterhalten werden und auch etwas kaufen“, ist sich Michael Menke, der Geschäftsführer des Modehauses Eusterhus an der Neuenkirchener Straße, sicher. Entsprechend hat er die Kanäle Instagram und Facebook gestaltet, so dass er der Kundschaft ein virtuelles Shopping per Video bieten kann. „Das finden die Leute gut“, hat der Bekleidungsexperte festgestellt. Aber: „Das fängt den normalen Geschäftsbetrieb nicht auf.“ „Wir sind gern in Kontakt mit unseren Kunden. Und wenn wir sie schon nicht in unserem Geschäft begrüßen dürfen, sind jetzt andere Parameter dran.“

Das bedeute, Größen würden – sofern nicht bekannt – notiert, Kleidungsstücke aufgehängt und online von vorn und von hinten gezeigt. „Aber der Grad der Präsentation ist schmal“, weiß Menke. „Man darf den Interessenten nicht auf den Keks gehen.“ Möchte ein Kunde etwas kaufen, gebe es drei Möglichkeiten: Er bekomme es per Post zugeschickt, es werde ihm nach Hause geliefert oder er hole die Textilien ab. Michael Menke: „Die Ware liegt dann draußen im Tresor unseres Elektrowagens, den ich entriegele, wenn der Kunde kommt.“

Nicht mit dem Handel im Internet, sondern mit Beratung sowie Verkauf am Telefon hält sich die Inhaberin von Europa-Schmuck an der Spiekergasse über Wasser. „Unsere Stammkunden unterstützen uns“, sagt Gabriele Rudorff.

Auf das Netz verzichtet die Geschäftsführerin nicht. „Über Instagram und Facebook posten wir schöne Dinge, Schmuck und Uhren.“ Außerdem arbeite der Reparaturen-Service weiter. Die Abholung des guten, aber beschädigten Stücks und die Rücklieferung erfolgten persönlich.

SOCIAL BOOKMARKS