Ordungsamt: Husky muss Maulkorb tragen
Bild: Scheffler
Husky-Familie: (v. l.) Polat Hüner mit seinen Hunden Django, Alpha und Tigris, die als gefährlich eingestuft wurde und deshalb im öffentlichen Raum einen Maulkorb tragen muss.
Bild: Scheffler

Das will Polat Hüner nicht einsehen. Der Reihe nach: Los gingen die Querelen, als Polats Tochter im Januar mit dem Rüden Alpha im Rhedaer Forst spazieren ging und den Hund verbotenerweise nicht angeleint hatte – ebenso wie ihr Begleiter, zu diesem Zeitpunkt noch Besitzer der Husky-Hündin Tigris. Die beiden Hunde töteten zwei Hühner auf einem Bauernhof und verletzten dort ein Schaf (die „Glocke“ berichtete).

Mitarbeiter des Ordungsamts überprüfen Haltung

Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts besuchten daraufhin den Halter des Hunds, Polat Hüner, und schauten nach, ob das Grundstück sicher mit einem Zaun abgeriegelt ist. Außerdem musste sich der Halter zu den Vorfällen im Rhedaer Forst schriftlich äußern. „Ich wollte das alles friedlich lösen“, sagt der 59-jährige Frührentner.

Klage gegen Einstufung

Als er jedoch den Bescheid erhielt, dass Alpha als gefährlich eingestuft worden sei und außer der Leine einen Maulkorb zu tragen habe, handelte der Husky-Besitzer. Er habe eine Rechtsanwältin eingeschaltet, Klage gegen die Verfügung beim Verwaltungsgericht Minden eingelegt und das Gespräch mit dem Fachbereich Ordnung gesucht – in Begleitung von Camila Cirlini, der Tierschutzbeauftragten der Partei Die Linke.

Alpha besteht Verhaltensprüfung

Dem Hundebesitzer wurde eingeräumt, Alpha in Kaunitz Anfang Juli an einer Verhaltensprüfung teilnehmen zu lassen. Das Ergebnis sei gewesen, dass „eine Leine reicht“, so Hüner. Der Prüfer habe ihm gesagt, der Hund sei gut erzogen. Dem folgte das Ordnungsamt und nahm die Maulkorbverordnung zurück. Doch der dreijährige Alpha ist längst nicht mehr allein. Im Juli kaufte der 59-Jährige dem Bekannten seiner Tochter die eineinhalb Jahre alte Hündin Tigris ab, dazu einen ihrer Welpen, der den Namen Django erhielt. Drei Wochen lang kümmerte sich Polat Hüner sogar um Djangos vier Geschwister, ehe er sie dem Besitzer zurückgab.

Für Tigris gilt Maulkorbpflicht

Tigris nur an der Leine zu führen, reicht dem Ordnungsamt indes nicht aus. Weil es einen zweiten Vorfall mit toten Hühnern gegeben habe, wie Hüners Sohn Koray (22) einräumt, muss die Hündin einen Maulkorb tragen. Seiner Bitte, Tigris ebenfalls einen Wesenstest machen zu lassen, sei nicht entsprochen worden. „Das finde ich nicht gerechtfertigt“, sagt der Husky-Freund. Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Vielmehr musste sich Polat Hüner vor zwei Wochen im Rathaus einer Sachkundeprüfung mit etwa 100 Fragen stellen. „Bestanden und 30 Euro bezahlt“, resümiert der Hundehalter.

Jagd auf Schafe

Die Erläuterungen des Ordnungsamts zu dem Vorgang lassen ahnen, dass die Entscheidung Leinen- und Maulkorbpflicht zu verhängen, nicht unbegründet ist. Hündin Tigris habe Anfang des Jahres zusammen mit Hund Alpha zwei Hühner gerissen, gefressen und anschließend Jagd auf weidende Schafe gemacht, bestätigt Annette Blumenstein, Sprecherin der Stadt Gütersloh, Polat Hüners Angaben. Der damalige Besitzer habe die Auflage erhalten, der Hündin einen Maulkorb anzulegen und sie an der Leine zu führen. Auch eine Verhaltensprüfung sei angeordnet worden.

Hündin reißt 13 Hühner

Im März kam es zum zweiten Vorfall: Tigris riss 13 Hühner. „Aus diesen beiden Vorfällen hat sich für die Stadt der Nachweis ergeben, dass der Hund als gefährlich einzustufen ist“, so Blumenstein. Daraus resultiere Leinen- und Maulkorbpflicht für den Hund sowie eine Erlaubnispflicht zum Halten des Tieres. Das habe der Sachbearbeiter Polat Hüner auch mitgeteilt, als der den Hund im Juli vom Vorbesitzer übernehmen wollte.

Verhaltensprüfung ist für Tigris nicht mehr möglich

Die Erlaubnis zum Halten eines als gefährlich eingestuften Hundes sei bei der Stadt beantragt. Sie werde in Kürze erteilt. Das Ablegen einer Verhaltensprüfung mit dem Ziel einer Befreiung von der Maulkorbpflicht sei in diesem Fall nicht mehr möglich, weil Tigris bereits aufgrund der beiden Vorfälle als gefährlich eingestuft worden sei. Die Sachkundeprüfung mit rund 100 Fragen habe Hüner ablegen müssen, um nachzuweisen, dass er die Voraussetzungen erfüllt, die gefordert sind, wenn jemand einen erlaubnispflichtigen Hund halten wolle.

SOCIAL BOOKMARKS