Platz im Frauenhaus ist wie ein Lottogewinn
Bild: Reinkemeier
Setzten sich in Gütersloh für Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt ein: (v. l.) Larissa Ranft (Beratungsstelle), Petra Strauss und Birgit Altehoefer (beide Frauenhaus) sowie Stephanie Rimmert (Beratungsstelle).
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Denn die Betroffenen mussten teilweise länger im Frauenhaus bleiben als geplant. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 38 Frauen und 39 Kinder in der Einrichtung aufgenommen worden, teilten die Verantwortlichen des Vereins bei der  Vorstellung der Jahreszahlen 2016 am Mittwoch mit. „Im Normalfall haben wir 70 bis 80 Frauen im Laufe des Jahres bei uns“, sagte Petra Strauss vom Gütersloher Frauenhaus. Doch es sei immer schwieriger für die Frauen, geeignete Wohnungen zu finden. Daher blieben sie im Jahr 2016 länger in der Einrichtung als sonst.

Nicht alle finden sofort eine Zuflucht

Zwei bis drei Monate benötigten die Frauen mit ihren Kindern meist, um eine stabile Entscheidung für die Zukunft treffen zu können. „Dieser Wert wurde 2016 übertroffen“, fügte Petra Strauss an. „Einen Platz in einem Frauenhaus in NRW zu bekommen gleicht momentan einem Lottogewinn.“ Selbst ein Blick in die bundesweite Datenbank aller Frauenhäuser garantiere nicht für jede Betroffene aus Gütersloh einen Platz in einer Einrichtung.

Zahl der Beratungsgespräche steigt

Dass Gewalt an Frauen in einer Stadt wie Gütersloh genauso Thema sei, wie in Großstädten, verdeutlichte Stephanie Rimmert von der Frauenberatungsstelle. So suchten im vergangenen Jahr 432 Frauen die Beratungsstelle und die die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an der Münsterstraße auf. Damit stieg die Anzahl der Beratungsgespräche stark an. Denn im Jahr zuvor öffneten sich lediglich 347 Frauen dem Verein. Das liege vor allem daran, dass Gewalt an Frauen schon längst kein Tabuthema mehr sei, vermuten die Experten.

Betroffene aus unterschiedlichen Altersgruppen

Gut ein Drittel der in 2016 betreuten Frauen sei wegen sexueller Gewalt an die Einrichtung herangetreten, schilderte die Diplompädagogin Stephanie Rimmert. Die betroffenen Mädchen und Frauen seien zwischen 14 und 60 Jahren alt gewesen. Etwa die Hälfte habe zuvor eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung erfahren, teilte sie mit.

Gemeinsam die Stabilisierung der Frauen vorantreiben

Die drei Einrichtungen wollen auch in Zukunft kooperieren und von den Synergie-Effekten untereinander profitieren. Nur so könnten sie die komplette Stabilisierung der Betroffenen vorantreiben, sagte Larissa Ranft von der Beratungsstelle. Unter anderem seien präventive Workshops mit Jugendlichen an den Schulen der Stadt Gütersloh momentan in Planung.

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