Preise rufen Benzindiebe auf den Plan
Alle Zapfsäulen werden mittlerweile von Kameras überwacht. Jeder Tankbetrug wird zur Anzeige gebracht. Die meisten würden auch aufgeklärt, heißt es. Bilder: Dinkels

Meist vergebens, denn die Mehrzahl der Tankbetrüger wird ermittelt. Und dann kann es teuer werden. Auch bei Gütersloher Tankstellenbetreibern ist das ein Thema.

 „Je teurer der Sprit ist, desto häufiger kommt es vor, dass Autofahrer umsonst tanken wollen“, hat Mario Drees, Pächter der Aral-Tankstelle am Nordring, beobachtet. Bei ihm seien es sonst zwei bis drei Fälle im Monat. „Vermehrt seit Anfang Dezember“ machten sich Kunden aus dem Staub. Auch die Polizei hat registriert: „Wenn der Benzinpreis steigt, dann haben wir viele Taten“, sagt Sprecherin Corinna Koptik. Allerdings lägen dazu keine aktuellen Zahlen vor.

„Wir bringen generell jeden Fall zur Anzeige“, sagt Drees. Meist gehe Tankbetrug mit anderen Delikten einher wie dem Fahren ohne Kennzeichen – sie werden dann vorher abgeschraubt – oder mit gestohlenen Kennzeichen. Gleichwohl werde die Mehrzahl der Fälle aufgeklärt. Diesel oder Benzin, Monatsanfang oder -ende, das tut sich nach Aussage des Pächters nicht viel.

Manchmal, wenn die Pudelmütze besonders tief ins Gesicht gezogen sei, könne man schon im Vorfeld Verdacht hegen. Wenn es Auffälligkeiten gebe wie beispielsweise ein mehrfach wiederkehrendes Auto, dann spreche man sich schon mal mit anderen Pächtern ab, so Drees. Der monatliche Schaden lässt sich kaum beziffern, denn mal ist es eine ganze Tankfüllung, mit der sich Autofahrer aus den Staub machen, mal sind es wenige Liter.

 „Es kommt schon mal vor, dass jemand nach dem Tanken nicht bezahlt und flüchtet“, sagt ein weitere Pächter, der namentlich nicht genannt werden will. Allerdings will er einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Preise und der Zahl der Vorkommnisse nicht bestätigen. „Wir bringen alles zur Anzeige“, sagt er. Die Aufklärungsrate betrage nahezu 100 Prozent. Manchmal versuchten die Ermittelten, sich dann herauszureden („vergessen“).

Werner Sieg, Betreiber einer freien Tankstelle an der Wiedenbrücker Straße, sieht für sich Tankbetrug als kein großes Problem. „Drei Fälle in sechs Jahren“ habe es bei ihm gegeben. Davon seien zwei aufgeklärt worden.

Anders verhält es sich an den beiden Autobahntankstellen. „Auch bei uns gibt es Tankbetrug“, sagt Pächter Thorsten Braun. Allerdings sei das ein eher saisonales Phänomen wegen des Reiseverkehrs und komme im Winter seltener vor. Der jährliche Schaden bewege sich im vierstelligen Bereich („schon relevant“).

Hintergrund

Wer Treibstoff von einem Auto oder einem Lastwagen abzapft, begeht einen einfachen Diebstahl. Wenn dazu der verschlossene Tankdeckel aufgebrochen oder ein Loch in den Tank gebohrt wird, handelt es sich um schweren Diebstahl. Anders ist die Bewertung an einer Tankstelle. Dort handelt es sich um Betrug. Denn wer auf das Tankstellen-Gelände fährt, spiegelt dem Betreiber laut Polizeisprecherin Corinna Koptik vor, er wolle tanken und sei auch in der Lage und wolle bezahlen.

Betrug wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet. Wer hingegen diesen Betrug als Mitglied einer Bande begeht, gleichsam gewerblich handelt oder jemanden durch sein Handeln in wirtschaftliche Not bringt, der begeht einen schweren Betrug, der entsprechend strenger bestraft wird. Bei der Polizei an der Herzebrocker Straße ist wie in anderen Polizeibehörden ein Sachbearbeiter mit der Aufklärung solcher Fälle befasst. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen.

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