Provokantes in der Martin-Luther-Kirche
Bild: Pieper
Die Bielefelder Künstlerin Luise Krolzik zeigt bis zum 30. August in der Gütersloher Martin-Luther-Kirche ihre Installation „Dem Himmel so nah, der Erde verhaftet“.
Bild: Pieper

 „Dem Himmel so nah, der Erde verhaftet“, nennt die Bielefelder Künstlerin Luise Krolzik ihre durchaus biographisch geprägte, ebenso mutige wie verstörende Rauminstallation. Aufgezäumt hat sie die verschiedenen Stationen an der biblischen Geschichte der Schwestern Martha und Maria. Die eine hatte in typischer Hausfrauenmanier Jesus umsorgt, die andere hörte ihm lieber zu, ohne aber mitdiskutieren zu dürfen. Biedere Aktion contra gewollter Konzentration - oder doch nur zwei über Jahrhunderte etablierte Seiten einer frauenfeindlichen Medaille? Es sind solche Gegensatzpaare und Fragen, die Krolzik in ihren Arbeiten ausreizt.

Vernissage:  So. 12. Juli, 18 Uhr Gottesdienst zur Ausstellungseröffnung mit Pfarrerin Grit de Boer, Bonn,  Pfarrer Andreas Walczak-Detert und dem Matthäus-Chor

Führung: Sonntag, 2. August, 16 Uhr

Konzerte: Samstag, 8. August, 20 Uhr Blues und Jazzstandards mit Harald Bellmann, Gedichte von Antje Krah; Samstag, 29. August, 20 Uhr Jazzpianistin Johanna Borchert und Medienkünstler Benjamin Schindler

Gebete: So. 23. August, 18 Uhr Maria und Martha, ökumenisches Taizé-Gebet

Finissage: So. 20. August, 18 Uhr

Und so installiert sie zwischen Himmel und Erde Fundstücke und Fragmente aus dem Alltag als Metaphern für Lebensanfang und -ende, für Hoffnung und Verzweiflung, für Freiheit und Unterdrückung. Besonders drastisch: ihre Inszenierung vom Kindseinwollen und den Erwachsenen hilflos ausgeliefert sein. Gewalt und Missbrauch brechen sich Bahn. Krolzik weiß das als subtiles Spiegelbild einer Welt zu präsentieren, die viel zu oft wegschaut. Bitter, wenn dazu Heintje „Ich bau dir ein Schloss“ trällert, Lehars trauriges Operettenlied „Immer nur lächeln“ vom Band schallt oder sich Bettina Wegners mahnendes Gedicht „Sind so kleine Hände“ auf durchsichtigem Stoff fast auflöst.

Doch es gibt auch Hoffnung. Als bekennende Christin – und dankbar für den künstlerischen Freiraum, den sie hier in Gütersloh erlebt – hat Luise Krolzik im Altarraum zwei Tische gedeckt: Auf einem spiegeln sich die bunten Kirchenfenster als Versprechen auf einen Himmel wider. Auf dem anderen reihen sich kleine Kronen. „Denn durch Jesus sind wir alle Königskinder“, sagt Krolzik. Da macht es auch nichts, wenn statt des Taufbeckens nun ein altes Waschbecken aus einer Industrie-Ruine dort oben steht. Wasser reinigt nicht nur von Schuld, sondern auch von Schmutz jeder Art. Es ist die pure Lebenskraft. Eine Erkenntnis, die die Künstlerin in lange silberne Stoffbahnen fließen lässt – dem Himmel nah, aber der Erde verhaftet.

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