Queen gratuliert zur Städtepartnerschaft
Post von Queen Elizabeth II.: Der Integrationsbeauftragte Frank Mertens hatte vor einigen Jahren das Vergnügen, die Queen persönlich kennenzulernen. Zum 40-jährigen Bestehen der Partnerschaft hat sie jetzt freundliche Grüße vom Direktor des „Private Secretary’s Office“ ausrichten lassen.

Eine richtige Stadt scheint es also irgendwie nicht zu sein. Auf jeden Fall ist Broxtowe eins: Partnerstadt von Gütersloh – seit 40 Jahren. Im April 1978 unterzeichnete der damalige Bürgermeister Heinz Kollmeyer mit seiner Kollegin Katherine Archer im Gütersloher Ratssaal die Partnerschaftsurkunde, die die „Verschwisterung“ besiegelte.

Viele Kontakte sind seither entstanden, Schüler fast aller Schulformen haben die Partnerstadt kennengelernt. Aus Vereinsbesuchen entstanden Freundschaften. Mindestens drei „britische“ Anlässe gibt es, Ende August ein „40-Jähriges“ in Gütersloh zu feiern: Seit Beginn der Städtepartnerschaft hat die DJK Blau-Weiß Avenwedde regelmäßigen Kontakt zum Twinning Club in Broxtowe gepflegt. Und auch die Deutsch-Britische Gesellschaft blickt auf 40 Jahre zurück.

In den Berichten zur Begründung der Städtepartnerschaft 1978 sind „Frieden“ und „Völkerverständigung“ Begriffe, die fast alle Zitate prägen. Sie zeigen auf, dass die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs auch in den 1970er-Jahren noch eine starke Motivation war. Feindschaften durch persönliche Begegnungen gar nicht erst entstehen zu lassen, das war erklärtes Ziel der ersten beiden Städtepartnerschaften.

1977 hatte sich Gütersloh mit Châteauroux in Frankreich verbandelt. Eine britische Partnerstadt erschien Gütersloh, wo zahlreiche Briten lebten, folgerichtig. 15 Gemeinden und Ortschaften umfasst die Großgemeinde Broxtowe, die nach einer Gebietsreform im Jahr 1974 gebildet wurde. Mit etwa 110 000 Einwohnern ist sie ähnlich groß wie ihre ostwestfälische Partnerstadt.

Ihre Lage ist attraktiv, nämlich an die sehenswerte Großstadt Nottingham angrenzend, die wohl auch in Deutschland jedes Schulkind mit Robin Hood verbindet. Ihr Status als Universitätsstadt ist sicherlich auch ein Standortfaktor für Broxtowe, ebenso wie die 180 Kilometer bis London und die Nähe zur Großstadt Birmingham.

Aber auch Broxtowe selbst ist als Reiseziel attraktiv. Die Umgebung ist so, wie man sich England gern vorstellt: Wiesen, Wald, ein ruhig fließender Kanal, steinerne Zeugen einer fernen Vergangenheit und pittoreske Landhäuser. Den Literaturfreunden ist vor allem Eastwood als Teil von Broxtowe bekannt, der Geburtsort des berühmten Dichters D. H. Lawrence („Lady Chatterley’s Lover“). Sein Geburtshaus ist heute ein Museum.

Reiseziel für Naturliebhaber

Auch Naturliebhaber kommen in der Region Broxtowe auf ihre Kosten. Das Attenborough Nature Reserve – unmittelbar angrenzend an einen idyllischen Dorfkern, der für einen Rosamunde-Pilcher-Roman gecastet sein könnte – ist ein Paradies für Wildvogelarten, die dort in harmonischer Symbiose mit den Wildvogelbeobachtern, Radlern und Joggern, Reitern und Schülergruppen auf Erkundungstour leben. Rund 700 000 Besucher kommen jährlich in dieses Naherholungsgebiet, das unmittelbar an ein Gewerbegebiet grenzt und nicht weit vom Zentrum entfernt ist.

„Wenn das kein Stoff für einen Gütersloh-Broxtowe-Erfahrungsaustausch ist, denn das Prinzip ist nicht ganz unähnlich dem, was sich in Zukunft auf Güterslohs ehemaligen britischen Flughafen entwickeln soll“, heißt es in der Mitteilung der Stadt Gütersloh zum Partnerschaftsgeburtstag.

Es gibt also noch immer neue Themen im städtepartnerschaftlichen Austausch. Aber beim Brunch im Kleinen Saal der Stadthalle wird sicher auch manche Erinnerung wieder aufleben. So etwa diejenige an die erste Partnerstadt-Hochzeit im Dezember 1985, als der Isselhorster Detlef Schweitzer Teresa Shipley aus Beeston heiratete. Heute lebt das Ehepaar in Siegburg, hält aber gern noch den Kontakt zu Freunden und Verwandten in der deutschen wie in der britischen Heimat – ein durchaus überzeugendes Symbol für das Potenzial und den Bestand einer Städtepartnerschaft.

Das Dreimal-40-Jahre-Ereignis wird von Freitag bis Sonntag, 25. bis 27. August, in Gütersloh mit Delegationen und Gästen aus Broxtowe sowie des Anglo-German-Clubs gefeiert. Infos im Internet auf www.partnerstaedte.guetersloh.de oder bei Karin Delbruegge, Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit und Repräsentation, karin.delbruegge@gt-net.de.

Ein Brief vom Privatsekretär der Queen

Die Queen kann leider nicht dabei sein, wenn Gütersloh und Broxtowe am 26. August 40 Jahre Städtepartnerschaft feiern und die Deutsch-Britische Gesellschaft Gütersloh ebenfalls 40 Jahre alt wird. Aber sie hat sehr freundliche Grüße vom Direktor des „Private Secretary’s Office ausrichten lassen. Für alle Fans von Elizabeth II. – und das werden mit zunehmendem Alter offensichtlich immer mehr – ist das laut einem Bericht der Stadtverwaltung fast so schön, als wäre sie beim Partnerschaftsbrunch in der Stadthalle dabei.

Das Vergnügen, sie persönlich kennenzulernen, hatte vor einigen Jahren Frank Mertens, der Vorsitzende der Deutsch-Britischen Gesellschaft und Integrationsbeauftragte der Stadt Gütersloh. Er wurde ihr bei ihrem letzten Besuch in Düsseldorf 2006 vorgestellt. Daran denkt er gern zurück: „Es war ein unvergesslicher Moment, die Königin einmal persönlich kennenzulernen. Sie ist eine unglaublich offene und freundliche Person mit einer außergewöhnlichen Aura.“

Vielleicht hat sie sich ja an ihn erinnert, schließlich sagt man ihr ein grandioses Gedächtnis nach. Oder sie hat an ihren gefeierten Aufenthalt in Gütersloh 1965 gedacht, als viele Gütersloher Fähnchen wedelnd am Straßenrand den Weg durch die Innenstadt säumten. Daran hatte Mertens die Königin nämlich erinnert, als er ihr den Hinweis auf die Dreifach-Feier (auch die DJK Avenwedde und ihre Broxtower Freunde feiern 40-Jähriges) zukommen ließ.

Auf jeden Fall hat die Queen einen sehr aufmerksamen Privatsekretär. Der schreibt nun in ihrem Auftrag, dass „Her Majesty“ sehr erfreut war, an diesen Besuch erinnert zu werden, das Dreifach-Jubiläum sehr interessant finde und den Menschen aus Gütersloh und Broxtowe einen erinnerungswürdigen und wunderschönen Tag wünsche, um diesen „Meilenstein in der Geschichte der beiden Städte zu feiern.“ Unterschrift: David Ryan, Director Private Secretary’s Office. „Wir haben also kein Autogramm der Queen persönlich unter diesem Brief, aber die netten Worte sind wie die Deko, die manchmal ihre Hüte ziert und wie britische Cupcakes mit Zuckerdeko: sehr süß, aber auch irgendwie ziemlich cool“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

SOCIAL BOOKMARKS