Richter schickt Ehemann ins Gefängnis
Der Angeklagte muss sechs Jahre in Haft.

Das betonte der Vorsitzende Richter am Donnerstag bei der Urteilsverkündung. 

Am 22. Oktober 2014 war die 35 Jahre alte Mutter von drei Kindern in der Wohnung ihres von der Familie getrennt lebenden Ehegatten erschienen. Bei einem Streit, so das Gericht, habe der Mann „die Gewaltanwendung gesucht und gewollt.“ Nach der Trennung habe der Gütersloher den Boden unter den Füßen verloren. Er habe zeitweise in seinem Auto und in einer Garage genächtigt, später eine Wohnung im Süden der Stadt gefunden.

Zwei Tage vor dem Drama, so der Richter, habe der Angeklagten seine Depressionen in einem stationären Aufenthalt behandeln lassen. In dieser affektiven Phase psychischer Niedergeschlagenheit habe er seiner Frau zunächst bei dem Treffen am 22. Oktober Geld für die Kinder angeboten; danach sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Indessen habe die Gattin es entschieden abgelehnt, die Trennung aufzuheben. „Sie hat all sein Betteln zurückgewiesen. Darauf geriet er in Rage, und es kam zur Aggression.“

Zunächst versuchte die Frau, aus der Wohnung zu fliehen. Nachbarn sahen, wie sich die Tür einen Spalt öffnete und wieder schloss. Danach vernahmen sie drei dumpfe Schläge. Beamte einer alarmierten Polizeistreife brachen die Wohnungstür auf und fanden die besinnungslose Ehefrau in ihrem Blut auf dem gefliesten Boden. Der Ehemann kauerte neben dem Opfer, dessen Kopf er, so die Beweisaufnahme, wiederholt auf die Fliesen gestoßen habe. Fest stehe, dass er die 35-Jährige bis zu 20 Sekunden lang gewürgt und ihr die Luft zum Atmen genommen habe.

Fest steht für das Gericht, dass der Gütersloher die Ehefrau verletzen wollte. Obwohl die Beziehungstat „nahe am bedingten Tötungsvorsatz liegt“, sagte der Richter, müsse die Kammer die Meinung von Sachverständigen berücksichtigen, die eine Ausnahmesituation attestierten. Darin sei sich der Täter womöglich „nicht der Todesfolge bewusst gewesen.“ Eine solche Auslegung der Beweislage möge zwar als eine „juristische Spitzfindigkeit“ gelten, „aber so hat es der Gesetzgeber festgelegt“, so der Richter. „Für die Familie ist das alles furchtbar. Die Großmutter hat ihren Beruf aufgegeben, um sich um die drei Enkel kümmern zu können.“

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