Rosshaarspinnerei wird abgerissen
Der Abrissbagger leistet ganze Arbeit: Anfang kommender Woche soll das Gebäude der ehemaligen Rosshaarspinnerei abgetragen sein.

Immer wieder bleiben Passanten stehen und sehen dem Rückbau zu. Frank Schmäling und seine Frau Heidi wohnen im Vorderhaus an der Hohenzollernstraße 20. Dort erinnert noch ein Schild neben der Eingangstür an den ehemaligen Firmensitz. Die Schmälings haben sich entschlossen, die Fabrik abreißen zu lassen. „Das Gebäude zerfiel zusehends“, erzählt Heidi Schmäling. Das 500 Quadratmeter große Gelände soll zunächst als Garten genutzt werden. Heidi Schmäling betreut als Tagesmutter einige Kinder. Die sollen auf dem von außen nicht einsehbaren Areal nach Herzenslust spielen dürfen. Später soll vielleicht ein Wohnhaus für die Tochter der Schmälings auf dem Grundstück gebaut werden.

Zufahrt über den Hausmeister-Garten

Die kommenden fünf bis sechs Tage geht es jedoch um den Abriss. Die Mitarbeiter der Firma Hagedorn haben als erstes das Efeu auf der Gebäuderückseite entfernt. Jetzt werden die Mauern abgetragen. Damit beim Abriss die Nachbarn nicht übermäßig belästigt werden, muss mit Wasser gearbeitet werden. So soll das Staubaufkommen möglichst gering gehalten werden. „Wir sind froh, dass die Anwohner mitspielen“, betont Heidi Schmäling. Vor allem die Familie des Hausmeisters der Altstadtschule habe viel dazu beigetragen, dass der Abriss der Rosshaarspinnerei überhaupt möglich wurde. „Die Fahrzeuge können nur von hinten an die Halle“, erklärt Frank Schmäling. Bagger und Lastwagen fahren durch den Garten des Hausmeisterhauses. Das Grundstück gehört der Stadt und auch die sei sehr kooperativ gewesen, als es um die Genehmigung und die Durchführung des Projekts gegangen sei, betonten die Schmälings.

 

Etwas Wehmut ist dabei

Nachdenklich betrachtet vor allem seine 79-jährige Mutter, Brunhild Schmäling, den Abriss. „Ich habe schon eine Träne im Auge“, sagt sie. Als Kind hat sie noch erlebt, wie im Betrieb gearbeitet wurde. Bis Mitte der 50er-Jahre sei die Spinnerei an der Hohenzollernstraße angesiedelt, erinnert sie sich. Anschließend habe ihr Vater, Wilhelm Ludwig Depenbrock, den Betrieb an die Straße „Zum Stillen Frieden“ verlegt, weil er in der Stadt nicht mehr erweitern durfte. „Man wird schon wehmütig“, sagt Brunhild Schmäling, die vielen Güterslohern noch als Besitzerin des Cafés Schmäling an der Berliner Straße bekannt ist, das sie bis 1983 mit ihrem Mann führte. Aber sie freut sich auch auf den großen Garten für ihre Familie. „Der wird richtig schön.“

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