Runder Tisch anstelle eines Kompromisses
Bild: Dinkels
Vor dem Rathaus demonstrierten am Freitag rund 400 Aramäer und Assyrer, darunter auch Kinder, für ein öffentliches Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des von ihnen beklagten Völkermords Seyfo von 1915. Viele trugen Kreuze, Kerzen und Fahnen bei sich.
Bild: Dinkels

Anstelle eines Kompromisses wurde einhellig ein Runder Tisch beschlossen. Ihm sollen die Antragsteller, Vertreter des Christenrats, Ratsmitglieder, Mitarbeiter der Verwaltung, Vertreter der Evangelischen und der Katholischen Kirchengemeinden, der aramäischen und assyrischen Vereine sowie Vertreter der Türkischen Gemeinde angehören. Dieser große Kreis soll „ergebnisoffen“ nach einer Lösung suchen.

Ein von der CDU favorisierter Kompromiss, nach dem eine Gedenkstätte auf dem Ehrenfriedhof an der Straße Unter den Ulmen und auf dem Johannesfriedhof an der Herzebrocker Straße eingerichtet werden könnte, war schon vor der Sitzung im Ältestenrat nicht mehrheitsfähig.

Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) betonte zu Beginn der Sitzung, der Antrittsbesuch des türkischen Generalkonsuls im Dezember habe mit der Debatte um das Mahnmal nichts zu tun gehabt. Eine Stellungnahme der türkischen Gemeinde sei bei der Erörterung mit bedacht worden, mehr aber auch nicht. Das Wort „gewürdigt“ in einer Vorlage hatte Irritationen ausgelöst.

Auch CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer versicherte: „Eine Stellungnahme, die den Genozid leugnet, kann für uns als CDU nicht akzeptabel sein.“ Das Anliegen eines Mahnmals, um eine Erinnerungskultur zu schaffen, sei sehr berechtigt. Es zeichne sich aber ab, dass die Antragsteller nicht mehr auf einem zentralen öffentlichen Platz beharrten, wofür er dankbar sei. Der Runde Tisch soll „keine Alibi-Runde sein“, um sich davonzustehlen.

SPD-Fraktionschef Thomas Ostermann sagte, ein Mahnmal habe immer zwei Seiten. Es weise in die Vergangenheit und zeige, was Schreckliches passiert sei. Man komme nicht darum herum, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Ein Mahnmal müsse aber auch in die Zukunft gerichtet sein („Nie wieder“) und dazu auffordern, sich zu versöhnen.

„Hoffentlich trägt der Runde Tisch wirklich zu einer Befriedung bei“, sagte Birgit Niemann-Hollatz, Fraktionssprecherin der Grünen. Sie äußerte wie auch BfGT-Chef Nobby Morkes Bedenken, dass die Runde eine Lösung bringt. Morkes: „Ein Mahnmal an einer zentral gelegenen Stelle für eine Bevölkerungsgruppe lehnen wir ab.“ Das wäre eine Benachteiligung aller anderen Gruppen. Manfred Reese (Linke) sagte: „Ein Mahnmal ist nicht dazu gedacht, mit dem Finger auf Dritte zu zeigen und zu sagen, das sind die Übeltäter.“ Peter Kalley (UWG): „Man kann davon ausgehen, dass die Antragsteller niemandem zu nahe treten wollen, aber das werden die türkischen Mitbürger anders empfinden.“

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