Säugling ausgesetzt: Vier Jahre Haft
Bild: Bojak
Eine umfassende Aussage machte die Angeklagte (links) zum Aussetzen ihres neugeborenen Babys. Sie wird im Prozess von Rechtsanwalt Dr. Knut Recksiek aus Bielefeld vertreten. Das Bild zeigt zudem die Dolmetscherin Diana Martin.
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Das Gericht folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich für eine zur Bewährung ausgesetzten zweijährigen Freiheitsstrafe für die Frau aus Rumänien ausgesprochen.

Laut einem Gutachter ist die mehrfache Mutter wegen einer Wahrnehmungsstörung vermindert schuldfähig. Ob die 39-Jährige das Urteil annehmen wird, ist nach Aussage ihres Verteidigers noch offen.

Junge überlebte nur durch einen Zufall

Im Plädoyer hatte der Rechtsanwalt eine Bewährungsstrafe gefordert. Mit der Haftstrafe von vier Jahren sei das Gericht deutlich unter dem oberen Strafrahmen von elf Jahren geblieben, betonte die Vorsitzende Richterin. Für die Angeklagte wertete das Gericht das umfängliche Geständnis und die damit verbundene Reue der bislang nicht vorbestraften Frau. Außerdem sei die besondere Stresssituation während Schwangerschaft und Geburt zu berücksichtigen. Mediziner hatten bei der Frau nachträglich eine schwere Infektionskrankheit diagnostiziert, die sie selbst nicht bemerkt hatte.

Zu Ungunsten der 39-Jährigen aber wertete die Strafkammer, dass sie genau wusste, was sie tat. „Sie haben den Säugling ganz bewusst in eine Tüte gelegt, von der sie wussten, dass sie nicht lange Schutz bieten würde. Sie wussten auch, dass das Gebüsch nicht einsehbar war und dass an diesem Sonntag auch niemand zum Einkaufen auf das abgesperrte Grundstück kommen würde“, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung.

Die Frau aus Rumänien hatte im Juni 2015 nach einer verheimlichten Schwangerschaft das Kind in einem leerstehenden Rohbau in Gütersloh zur Welt gebraucht. Anschließend legte sie es in einer Plastiktüte in ein nicht einsehbares Gebüsch am Media Markt. Nur durch einen Zufall war das Kind nach Stunden ausgekühlt und ausgetrocknet lebend mit einem Schädelbruch gefunden worden. Nach der Geburt im Stehen war das Neugeborene auf den Boden gefallen. Von dem Vater kennt die Verurteilte nur den Vornamen. Er hatte ihr gesagt, dass er keine Kinder zeugen könne. Levi, so wurde der Säugling im Krankenhaus getauft, lebt bei einer Pflegefamilie unter einem anderen Namen.

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