Sazeracs bringen Freude am Jazz zurück
Bild: Hein
Mit einem großen Fest stellten die Sazerac Swingers ihre neue Produktion in der Weberei vor. Mit dabei waren illustre Gäste wie (vorn v. l.) Lea Randella, die mit Roger Clarke-Johnson und Bart Wouters eine fulminante Show an Kontrabässen ablieferte.
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Mit Unterstützung vieler Freunde und Sponsoren aus der Wirtschaft luden sie am Freitagabend zum Sazerac-Swingers-Jazzfest in die Weberei ein – bestrebt, Gütersloh „die Freude am Jazz zurückzugeben“, wie es Bandleader Max Oestersötebier von der Bühne ankündigt, weil bei der Entwicklung des Jazz in Europa leider etwas schief laufe. „Put the Jazz back in Jazz“, heißt deshalb das Werk, übersetzt: Gib dem Jazz seine Ursprünge zurück. Oder auch weniger geschmeidig: den Jazz zurück in den Jazz bringen.

„Kommt! Feiert mit uns“, fordert Oestersötebier seine Gäste auf. Willkommen also zu einem ganz starken Cocktail, zu einer Nacht voller Lebensfreude und Heiterkeit, zu erfrischender Musik auf einem glanzvollen Festival – bis zum Sonnenaufgang am frühen Samstagmorgen. Mit vier weiteren Bands auf zwei Bühnen, mit einem unterhaltsamen Tanzkursus für die Swingvariante Lindy Hop und einer Jamsession, auf der abschließend noch einmal die Stimmung hochkocht. Das ganze Programm charmant präsentiert von schönen Menschen in großer Abendrobe (Monika Olszewski von Radio Gütersloh und Band-Manager Christian Weeke).

Die Sazerac Swingers – in Hochform – stellen die neuen Lieder ihrer CD vor, darunter wahre Perlen. „The Night before the Storm“ beschreibt die Nacht vor der Katrina-Katastrophe, die Oestersötebier hautnah miterlebt. „Ein letzter Drink noch, und dann bricht es los. . .“, das Desaster, das Tausende ins Unglück stürzt. Der „Sazerac Song“, ein Lied über das offizielle Getränk der Region – schon ein Klassiker der Band, aber jetzt neu veröffentlicht –, basiert auf einem Text ihres vormaligen Schlagzeugers Ulrich Twelker. Jetzt scheint das Lied Emily Rault geradezu auf den Leib geschrieben. Rault, seit einigen Monaten die weibliche Stimme der Band, interpretiert darin beschriebene Anmachtipps hingebungsvoll und in Superzeitlupe, bevor die ganze Wucht der Kapelle im Refrain herausbricht und die Gäste im ausverkauften Webereisaal zu stürmischem Beifall mitreißt.

Und weil ein Festival von Höhepunkt zu Höhepunkt strebt, öffnen sich die Sazeracs für illustre Gäste und auch für musikalische Entdeckungen. Etwa für die Kontrabassistin Lea Randella, vom Typ her eher Rockabella, die energiegeladen auf ihrem Instrument reitet und sich am Ende bei einem Triett mit Stammbassist Clarke-Johnson und Bart Wouters von der Jazz-Connection Breda wiederfindet.

Auch Saxofonist Franck Wolf, langjähriger Bühnenbegleiter der französischen Gipsy-Swing-Legende Bireli Lagrene, überzeugt am Freitag in der Weberei mit gefühlvollsten Solopartien. Genauso Terrence Ngassa, der afrikanische Startrompeter, in der Improvisation mit Christian Altehülshorst, der auch im Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld bei Jan Böhmermann engagiert ist.

Nach einer burlesquen Einlage der Tänzerin Betsie BonBon mischt Glen David Andrews eine weitere Klangfarbe in den Konzertabend. Mutig liefert er sich dabei dem Publikum aus, lässt sich auf ausgestreckte Männerarme fallen und durch den Saal tragen.

Die Sazerac Swingers müssen spätestens seit Freitagabend als Aushängeschild der heimischen Musikszene angesehen werden. Sie machen sich während der kommenden Monate aber in Gütersloh rar. Angekündigt ist bisher nur ein Konzert im Gasthaus Blue-Fox an der Wiedenbrücker Straße.

Dennoch können Fans die Jazzband live erleben: Zum Mamma-Mia-Festival in Ahaus am Samstag, 18. August, richten die Musiker einen Bustransfer ein. Interessenten können dazu ihre Anfragen per E-Mail an sazeracswingers@gmail.com richten.

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