Schlaflos in Gütersloh: Jan Josef Liefers
Bild: Pieper
Den Auftakt seiner „Radio-Doria“-Tour absolvierte Jan Josef Liefers mit seiner Band „Oblivion“ am Montag in der Gütersloher Weberei.
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Der Jan Josef Liefers, der da mit dem Hütchen auf dem Kopf und einem Augenzwinkern im Knopfloch als Musiker im Rampenlicht steht, ist ein ganz anderer: locker, rockig, erdig, geradeheraus und überraschend emotional. Am Montag startete der gebürtige Dresdener mit Wohnsitz in Berlin in der von überwiegend gesetztem Publikum gut besuchten Gütersloher Weberei seine aktuelle „Radio Doria – Die Stimme der Schlaflosigkeit“-Tournee. Ein gelungener Tourauftakt für ihn und seine Band „Oblivion“ sowie ein Erfolg für die Böning-Brüder als neue Betreiber der Weberei. Eine bessere, namhafte besetzte Erstveranstaltung in der technisch deutlich aufgemotzten Halle hätten sie kaum finden können.

 Hat Liefers in den vergangenen zehn Jahren mit seinen Musikern vor allem prägende Erlebnisse seines DDR-Daseins musikalisch aufgearbeitet, halten sich die Reminiszenzen an (s)ein vergangenes Lebensgefühl jetzt eher in Grenzen. Mit 50 Jahren weiß man eben, wer man ist, wo man steht und was man will. Dem Mann geht es um Befindlichkeiten und Standortbestimmungen. Eigene und auch die anderer.

Beides weiß er in einem gekonnten Mix aus markigem Rock und poetisch angehauchtem Pop zu kleiden. So kann es sich Liefers leisten, mit „Diebesgut“ seinen 64er-Jahrgang zu hofieren, ohne schwülstig zu wirken. Er singt so glaubwürdig über Liebe und Herzschmerz wie über seine Wut, die sich sowohl daran entzündet, dass jemand eine Fahne in seinen Sehnsuchts-Mond gesteckt und ihn damit verschandelt hat, als auch an der Ignoranz gegenüber Kriegs- und Gewaltopfern. Nicht von ungefähr erzählt der für sein soziales Engagement mit dem Bundesverdienstorden Geehrte mal eben von seinem Besuch in Syrien.

Ein Sänger mit einer Botschaft, einer, die mitunter schön basslastig, mal von hämmernden Rock-Rhythmen, mal von sphärischen Keyboard-Klängen getragen ins aufmerksam lauschende Publikum schwappt. Dank sei Johann Weiß (E-Gitarre), Jens Nickel (Gitarre), Christian Adameit (Bass), Timon Fenner (Schlagzeug) und Gunter Papperitz (Keyboard).

Dass der Sänger den Schauspieler in sich nicht verleugnen kann und will, gehört zur gut geplanten Show. Er versteht es, sein Publikum zu lenken. Willig folgen ihm die Fans, singen mit ihm, amüsieren sich, als er von seinem Kindheitstraum, ein „Gitarrengott“ zu werden, erzählt oder beim fiktiven Telefonat mit Ehefrau Anna Loos die häusliche Müllproblematik erörtert. Jan Josef Liefers, der Mann von nebenan, unkompliziert, kumpelhaft. Schön, dass er wiederkommen will. Er hat’s versprochen.

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