Schmickler, der Berufsschimpfer vom Dienst

Verbale Kettensäge trifft es noch besser. Denn wenn Schmickler einmal richtig in Fahrt kommt, dann nimmt er kein Blatt mehr vor den Mund und zerschreddert alles, was ihm in seinem Wort-Stakkato so vor die Flinte kommt.

Der Kabarettist regt sich darüber auf, dass die sich aufregen. Denen sei ja nichts heiliger als ihre „musizierfotografierende“ Telefonzelle. Schöne, neue Medienwelt. Der moderne Mensch ist stets mobil. Bis zu seiner Beerdigung 2.0. Das politische Elend in Nordrhein-Westfalen hält nun wirklich keiner mehr aus. Und überhaup: In der Politik weiß doch eh niemand mehr Bescheid. Politiker ohne Wiedererkennungswert reden so lange über eine Sache, bis jemand fragt: „Worum ging es jetzt noch mal? Nächstes Thema!“ Richtig Ahnung habe eh niemand mehr. Am wenigstens über die Eurokrise und deren Rettungsschirme. Es herrscht parlamentarisches Wachkoma. Bestes Beispiel dafür: Wolfgang Schäuble, der sich die Zeit während der Sitzungen mit Sudoku vertreibe. Eines von Schmicklers Lieblingsopfern ist Dirk Niebel von der FDP, „ein Entwicklungsminister, der seinen Dachschaden mit einer Soldatenkappe deckelt“, ätzt Schmickler. Bundespräsident Joachim Gauck? Ein in der Versenkung verschwundener „Bet-Onkel“.

Und was ist mit Otto Normalverbraucher? Wenn die Welt aus Prinzipienreitern besteht, die im eigenen Geschwafel ertrinken, dann hat man Pech gehabt, wenn man sein Leben als Niedriglöhner vergeudet. Immerhin, bei der Aufbesserung der Rente könne die Organspende helfen. „Jede Verbrennung eines nicht ausgeweideten Körpers ist die Vernichtung von Zukunftskapital“, geht Schmickler hart an die Grenze und erntet Raunen im Saal.

 Der 58-Jährige kann aber auch anders, wenn er mit gebrochener Stimme zur netten Melodie singt. Doch ein knieweicher Tanzschritt und mild-verträumte Gesichtszüge täuschen. Selbst in wohlklingende Noten verpackt, plätschern stets bittere Wahrheiten von der bösen Schmickler-Zunge. Einmal Berufsschimpfer, immer Berufsschimpfer.

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