Schüler beteiligen sich an Milch-Studie
Bild: Dinkels
Im Rahmen eines Pilotexperiments trank am Dienstag auch der Rheda-Wiedenbrücker Schüler Felix Geldmacher einen Liter Milch in der Praxis des Gütersloher Hautarztes Professor Dr. Bodo Melnik (rechts).
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Mit Vorträgen und Artikeln in Fachzeitschriften hat Melnik sich einen Namen gemacht als scharfer Kritiker übermäßigen Milch-Konsums. Während Ernährungsberater die Vorzüge des Lebensmittels preisen, warnt Melnik vor den Folgen.

„Es geht nicht darum, Milch in Misskredit zu bringen“, sagt der Arzt, der an der Universität Osnabrück einen Lehrauftrag für Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie hat. Es gehe darum zu forschen und Grenzen aufzuzeigen.

Laut Melnik besteht ein Zusammenhang von hohem Milcheiweißkonsum und der Hauterkrankung Akne. Milch könne darüber hinaus auch zu anderen Erkrankungen führen wie Übergewicht, Diabetes, Kurzsichtigkeit und Krebs, insbesondere Prostatakrebs. Für Letzteres führt Melnik Studien der Universität Harvard (USA) ins Feld.

In der Kuhmilch enthaltene Mikro-RNA (Ribonukleinsäure) wirke „wie eine Software“ als Regulator bei der Zellbildung. Die Zellteilung werde beschleunigt, was das Risiko einer Krebserkrankung fördere. „Ein Glas Milch am Tag schadet nicht, aber die Summe macht’s“, sagt Melnik.

Auch mit Joghurt, Käse und Latte Macchiato „schaufeln wir uns Mikro-RNA ins System“. Die biochemische Forschung schlafe zu diesem Thema. „Unsere Studie ist ein erster experimenteller Ansatz, der die Frage beantworten soll, ob die Mikro-RNA der Milch im Blutserum der Milchkonsumenten ankommt und Veränderungen im Stoffwechsel auslöst.“

Am Einstein-Gymnasium hat Melnik seine Thesen im Rahmen der Vortragsreihe „School meets Science“ vorgetragen. Sofort fanden sich Schüler, die den Professor bei seinem „vorläufigen Pilotexperiment“, wie er es nennt, unterstützen wollten. Am Dienstag traten die ersten Schüler, darunter Felix Geldmacher, mit Erlaubnis der Eltern in der Praxis in Gütersloh an.

Jeder musste einen Liter handelsübliche Vollmilch (3,5 Prozent Fett) trinken. Einmal vorher und viermal danach wurde ihnen im Halbstundentakt Blut abgenommen. Zuvor hatten sie eine Woche lang keine Milchprodukte zu sich nehmen dürfen und mussten nüchtern in der Praxis erscheinen. Insgesamt nehmen 13 Schüler der Jahrgangsstufe elf am Experiment teil. Ein Liter Milch am Tag sei heutzutage nichts Ungewöhnliches, sagt der Professor.

Die wissenschaftliche Auswertung erfolgt durch Melniks Doktorvater Professor Dr. Gerd Schmitz vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Universitätsklinikum Regensburg. Er untersucht die Blutproben. Bis Ergebnisse vorliegen, werde es noch eine Weile dauern, sagt Melnik.

Hintergrund

Auf der Internet-Seite des Bundesverbraucherministeriums (zugleich zuständig für Landwirtschaft) wird Milch als das „vielseitigste Lebensmittel der Welt“ gepriesen. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sei Milch ein hochwertiges Lebensmittel, das eine Vielzahl von Nährstoffen (Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, die Mineralstoffe Calcium, Phosphor, Kalium, Magnesium und die Vitamine A, D, E, K, B1, B2, B12) enthalte, „und zwar in einer für den Menschen gut zu verwertenden Form“. Täglich ein Viertelliter fettarme Milch könne mit anderen Milchprodukten zur vollwertigen Ernährung beitragen. Der durchschnittliche Milchkonsum beträgt in Deutschland 85 Kilogramm pro Person und Jahr.

Seit Jahren mehren sich Stimmen und Studien, die vor Risiken hohen Milchkonsums warnen. Dabei geht es nicht nur um die Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktose-Intoleranz) und unerlaubte Inhaltsstoffe. Allerdings ist eine wissenschaftliche Beweisführung bisher nicht gelungen. Zu Melniks Thesen hat sich unlängst eine Expertenrunde beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin kritisch geäußert. Sie seien nicht zu belegen.

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