Schüler erhalten Einblick in Psychiatrie
Vier Tage lang besuchte ein Pädagogik-Leistungskursus der Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bethel.

„Damit sich die Schüler durch den Kontakt mit psychisch Kranken ihres eigenen Menschenbilds bewusst werden, war es uns besonders wichtig, dass wir den Patienten auf Augenhöhe begegnen konnten“, sagt die Lehrerin. Die elf Schülerinnen und ein Schüler im Alter zwischen 18 und 20 Jahren wurden zunächst theoretisch durch Pflegeexpertinnen der Klinik an das Thema Psychiatrie herangeführt. Anschließend trafen sie Patienten in unterschiedlichen Abteilungen. Zum ersten Mal fand dieses Projekt der Schule in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bethel statt. „Es war ein Experiment, Menschen ohne lange Ausbildung mit den Patienten in Kontakt zu bringen. Es hat hervorragend geklappt“, sagt Petra Krause, die in der Klinik die Pflege in einer Abteilung für Allgemeine Psychiatrie leitet und die Schüler begleitet hat. „Besonders bemerkenswert war, wie offen sich die Jugendlichen auf das Projekt eingelassen haben.“ Für Schülerin Yasemin war das nicht selbstverständlich: „Ich war vorher aufgeregt. Ich wusste nicht, wie man mit den Patienten spricht. Wir wurden freundlich aufgenommen. Bei der ersten Begegnung mit den Patienten habe ich gar nicht gemerkt, dass diese Menschen krank sind.“ Ihre Mitschülerin Lena fügt hinzu: „Ich habe die Psychiatrie ganz anders kennengelernt, als sie zum Beispiel im Fernsehen dargestellt wird. Es ist eine lebensfrohe Einrichtung.“

Spannend und befremdlich zugleich

Einzelne Situationen aus der Psychiatrie werden den Schülern im Gedächtnis bleiben: „Ich hatte noch nie gesehen, dass Patienten wild gestikulieren und schreien. Dieser Einblick war interessant und befremdlich zugleich“, sagt Mara. Anna nimmt ein anderes Erlebnis mit nach Hause: „Auf der Station für Abhängigkeitserkrankungen haben wir einen Mann kennengelernt, der aussah wie 35. Doch in Wahrheit war er erst 24.“ Die Resonanz der Schüler waren überwältigend positiv. Petra Krause und ihre Kolleginnen mussten über die vier Tage immer mehr Fragen zu ihrem Werdegang beantworten. Bei einigen Schülern hat die Begegnung mit psychisch Kranken das Interesse geweckt, sich auch beruflich in diese Richtung zu orientieren.

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