Schüler löchern Bundestagskandidaten
Bild: Dinkels
Kandidaten und Moderatoren: (v. l.) Thorsten Klute (SPD), Marco Mantovanelli (Grüne), Evelyn Dahlke (FDP), Ralph Brinkhaus (CDU), Ludger Klein-Ridder (Linke) sowie die beiden Lehrer Berthold Steier und Dennis Möhlmeier.
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Die Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien haben sich am Dienstag den Fragen der Oberstufenschüler der Janusz-Korczak-Gesamtschule gestellt. Nach zweistündiger, teils lebhafter Diskussion durften die fast 300 Schüler, von denen etliche am 22. September bereits wahlberechtigt sind, ihre Stimme abgeben. Aber davon später.

Die wichtigste Botschaft aller Kandidaten: „Gehen Sie wählen, weil es auch Ihre Zukunft ist, über die wir entscheiden“, sagte etwa Evelyn Dahlke (FDP). Die Liberalen garantierten die Freiheit, dass jeder sich nach seinen Fähigkeiten entwickeln könne. Dafür sei Bildung die beste Voraussetzung. Schuldenabbau diene der Generationengerechtigkeit, „damit Sie nicht später bezahlen müssen, was wir heute ausgeben“.

Ralph Brinkhaus (CDU): „Es ist Ihre Zukunft. Sie sollten aktiv daran teilnehmen, Zukunft zu gestalten.“ Die Union sehe das als Chance und wende sich gegen die Schwarzmalerei der anderen, sagte Brinkhaus. Kanzlerin Angela Merkel habe ihren Job nicht so schlecht gemacht. „Wir würden gern mit ihr weitermachen“.

Marco Mantovanelli (Grüne) erklärte, das Wahlrecht sei keine Selbstverständlichkeit. Früher hätten Menschen dafür ihr Leben gelassen, das sei auch eine Verpflichtung. Jedes Land habe die Regierung, die es verdiene. Es stünden wichtige Entscheidungen an, wie die Energiewende.

Thorsten Klute (SPD) sagte, es gehe bei der Wahl auch und vor allem um die Zukunft der Jugendlichen. Die nächste Regierung entscheide, wie es um Ausbildungs- und Arbeitsplätze, um Investitionen in Bildung und in die Kommunen sowie um mehr Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen bestellt sei.

Ludger Klein-Ridder (Linke) hob hervor, seine Partei sei als Einzige gegen Kriegspolitik sowie Rüstungsproduktion und -exporte. Das Geld solle lieber in Bildung gesteckt werden.

Die von den beiden Lehrern Berthold Steier und Dennis Möhlmeier moderierte Debatte kreiste vor allem um die Themenblöcke Bildung, Familie und Beruf, Generationengerechtigkeit sowie Wirtschaft und Umwelt. Dazu hatten die Schüler Fragen vorbereitet.

Brinkhaus versprach ausreichende Betreuungsplätze. Wichtig seien aber vor allem flexible Arbeitgeber, bei denen sich Familie und Beruf vereinbaren ließen. Klute verdammte das Elterngeld und forderte mehr Investitionen in Kita-Plätze und Bildung. Mantovanelli kritisierte, dass die Herkunft immer noch über den Erfolg im Bildungssystem entscheide.

Auch die Frage nach dem Lehrplan spielte eine Rolle. „Wir lernen im Deutschunterricht, wie man Analysen verfasst, aber keiner hat eine Ahnung, wie man eine Steuererklärung schreibt. Wann lernen wir etwas Vernünftiges?“, wollte ein Schüler wissen. Während Brinkhaus dafür plädierte, den Unterricht „etwas lebensnäher“ zu gestalten, meinte Klute, analytisches Denken könne nicht schaden und es solle nicht nur um Geld und Finanzen gehen.

Brinkhaus’ Rat mit Blick auf den NSA-Überwachungsskandal: „Stellen Sie nicht alles ins Netz. Seien Sie vorsichtig.“ Mantovanelli sprach sich für die vollständige Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften aus. Klute wollte „aufhören, den Menschen vorzuschreiben, wie sie leben sollen“.

Und was hat die Diskussion gebracht: Klute wurde mit 54,45 Prozent der insgesamt 292 gültigen Stimmen direkt in den Bundestag gewählt. Brinkhaus bekam 17,47 Prozent, Mantovanelli 13,7, Klein-Ridder 12,67 und Evelyn Dahlke 1,71 Prozent. Für die SPD (47,95 Prozent) würde es bei der Zweitstimme nicht zur absoluten Mehrheit reichen, mit den Grünen (21,58 Prozent) allemal. Die CDU kam auf 18,49 Prozent, die Linken erreichten 9,59 und die FDP müsste sich mit 2,4 Prozent aus dem Bundestag verabschieden. Auch den Lehrern war anschließend bewusst, dass eine solche Wahl  etwa unter Schülern an einem anderen Schultyp vermutlich anders ausgegangen wäre.

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