Schützen votieren für Heidewald-Vertrag
Bilder: Dünhölter
„Königliches Ja“: Als Oberst und amtierender König stimmte Carsten Kuhlmann (rechts) wie seine Mitstreiter von der Gütersloher Schützengesellschaft für den neuen Heidewald-Pachtvertrag mit der Stadt Gütersloh.
Bilder: Dünhölter

 Der am 31. Juli 1969 geschlossenen Mehr-Generationen-Kontrakt zwischen Inhaber (GSG) und Pächter (Stadt) des 34 386 Quadratmeter großen Areals läuft – wie berichtet – Ende Juli aus. Nach den vor gut drei Jahren begonnenen, juristisch nicht einfachen Marathonverhandlungen hatten sich beide Seiten Anfang Mai auf ein unterschriftsreifes Papier geeinigt. Ehe die Schützen als noch ausstehendes Gremium über die geänderten Konditionen für eine 30-jährige Laufzeit abstimmten, stellte der Vorsitzende Patrick Seidel (Bild) die bislang ausschließlich über die Tageszeitungen verkündeten Ergebnisse vor.

Deutlich verbessere Einnahmen

Der für die GSG sicherlich signifikanteste Unterschied sei die „deutlich verbesserte Einnahmesubstanz“, so Seidel. Der Kontrakt sieht eine Vervierfachung des Pachtzinses von 32 Cent pro

Quadratmeter auf 1,35 Euro vor. Damit steigen die jährlichen Pachteinnahmen für die um 2000 Quadratmeter vergrößerte Fläche von 10 306 auf 46 421 Euro. Ein Gutachter hatte bei voller Nutzung des Areals sogar 1,80 Euro pro Quadratmeter für realistisch gehalten. Die Stadt war mit einem Angebot von unter einem Euro in die Verhandlungen eingestiegen.

 Und auch die Vermietung des Gebäudes an den Tanzsportclub Grün-Weiß Casino laufe gut. „Das flutet sich fast von allein. Wir sind kurz davor, ein Schwimmbad zu eröffnen“, frohlockte Seidel.

 Sportliche Nutzung nicht nur für den FCG

Von vornherein einig waren sich die Vertragspartner über den primären Gebrauch des Areals als Spiel- und Sportstätte. Darüber hinaus seien dort auch Flohmärkte und Schützenfeste möglich. Die sportliche Nutzung sei, wie Patrick Seidel betonte, nicht nur an der FCG gebunden.

 Die Stadt übernimmt mit Vertragsbeginn die Verkehrssicherungspflicht auf dem Areal. Die bisherigen Schotterflächen sollen seitens des Pächters befestigt und in bewirtschafteten Parkraum umgewandelt werden. Ab wann dies der Fall sein wird, konnte Seidel noch nicht sagen. Immerhin versprach er: „Wir werden nicht locker lassen, bis Pflastersteine vor unserer Haustür liegen. Dafür darf die Stadt auch gern Parkgebühren erheben.“ Die Kommune erhält zudem das Recht, den Gebäudebestand zu modernisieren und zu erweitern. Das dürfte den mit einem „Begegnungszentrum im Heidewald“ liebäugelnden FC Gütersloh sehr freuen.

„Wir haben Geschichte geschrieben“

Auf Wunsch der Kommune wurde ferner ein öffentlich bislang unbekanntes Sonderkündigungsrecht ins Vertragswerk eingebaut. Sollte die Hauptnutzung (Fußball) eventuell mal entfallen, zum Beispiel bei einem Stadionneubau, und keine geeignete Nutzung als Spiel- oder Sportstätte bestehen, dürfte die Stadt die Notbremse ziehen. Im Gegenzug dafür muss das Areal „besenrein“ hinterlassen werden. Im bisherigen Kontrakt musste die Stadt nicht für die Abrisskosten von Tribüne und Stehplatzrängen aufkommen.

 Das Ende der gut 45-minütigen Versammlung erinnerte mit von donnerndem Applaus begleiteten „Bravo“-Rufen an die Szenerie nach dem Königsschuss. Rainer Schorcht brachte die zwischen Freude und Erleichterung geprägte Stimmung der glücklichen Stadtschützen auf den Punkt: „Ihr habt hervorragend verhandelt. Das ist ein historisch tolles Ergebnis.“

„Einfach nur stolz und froh“

Der Ehrenvorsitzende Günter Knopp verpasste seinem Nachfolger an der Spitze des Verhandlungskomitees anschließend in kleiner Runde einen verbalen Ritterschlag: „Ich habe immer gesagt, mit diesem Vertrag gehst du so oder so in die Annalen des Vereins ein. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir heute Abend Geschichte geschrieben haben.“ Der neue Pachtvertrag lasse die Stadtschützen „ein Stück freier sein, als andere Vereine es sein können“. Patrick Seidel war über das Ende des Verhandlungsmarathons „einfach nur stolz und froh. Das hat sehr viel Kraft und Zeit gekostet“.

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