Schutz erhaltenswerter Häuser gefordert
Bild: Bojak
Kirchstraße 19: Auch der Abriss dieses Hauses hat eine Debatte über die Zukunft von erhaltenswerten, aber nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden ausgelöst.
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Auslöser der Debatte war vor allem der jüngste Abriss des Hauses Kirchstraße 19. Aber auch das Verschwinden eines prägenden Gebäudes an der Bismarckstraße und der bevorstehende Abriss an der Münsterstraße hatten die Politik alarmiert. CDU, SPD, Die Grünen und Die Linken hatten daraufhin einen gemeinsamen Antrag eingereicht, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Dr. Thomas Krümpelmann (SPD) begründete den Vorstoß.

„Wir haben alles getan, was rechtlich möglich war, um Kompromisse zu finden und das Haus zu erhalten“, sagte Claudia Koch zu Kirchstraße 19. Da das Gebäude zwar im Denkmalpflegeplan, aber nicht unter Schutz stehe, seien die Möglichkeiten trotz des Stadtbild prägenden Charakters begrenzt gewesen, so die Leiterin des Bereichs Bauordnung. Und weil der vorgesehene Umbau mit Vorgaben zu Abstandsflächen und Brandschutz nicht in Einklang gestanden habe, habe sich der Eigentümer zu Abriss und Neubau entschlossen. Koch: „Das macht mich auch unglücklich, aber der Bebauungsplan gab das her.“ Angesichts des weitreichenden Baurechts und des fehlenden Denkmalschutzes habe man kein Druckmittel gehabt.

 Eine missliche Situation, war sich der Planungsausschuss gestern einig. „Wir müssen einen Weg finden, dass diese Entwicklung so nicht weitergeht“, sagte Silva Schröder. Die CDU-Politikerin bedauerte gleichzeitig, dass der 2008 erstellte, gute Denkmalpflegeplan in der Schublade verschwunden sei und man sich nicht weiter damit befasst und Folgeinstrumente entwickelt habe.

Erhaltungs- oder Gestaltungssatzung, Änderung von Bebauungsplänen, Weiterentwicklung des Denkmalpflegeplans – mit welchen Instrumenten Stadtbild prägende Häuser künftig vor dem Abriss geschützt werden sollen, steht noch in den Sternen. Die Verwaltung, so verabredete der Planungsausschuss ohne Abstimmung über vorliegende Anträge, soll Vorschläge entwickeln.

Externer Sachverstand nötig

Das kann sie aber nicht mit dem vorhandenen Personal, wie Claudia Koch betonte. „Wir brauchen dafür externen Sachverstand. Und daher habe ich vorsorglich schon mal zusätzliche Mittel für den Haushalt 2017 angemeldet.“ Man werde sich die Häuser und Straßenzüge einzeln anschauen müssen und für jeden Fall auch unter Berücksichtigung der Umgebung Lösungen erarbeiten müssen. Das könne dauern.

 Für Silva Schröder kein Problem: „Wir brauchen keinen Aktionismus, sondern müssen grundlegend etwas ändern.“ Für klare Vorgaben im Sinne von Baukultur sprach sich auch Norbert Bohlmann (UWG) aus. Manfred Reese (Linke) sagte, es mache mehr Sinn, Straßenzüge zu erhalten, auch wenn ein Gebäude dort mal kein Denkmal sei. Für Nobby Morkes (BfGT) steht fest: „Wir brauchen eine Satzung.“ Seine Kollege Andreas Müller sagte: „Der Verlust der Gebäude verändert das Stadtbild nachhaltig. Und das, was neu gebaut wird, ist nicht immer besser. Es gibt positive und negative Beispiele.“

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