„Seht, denkt und fühlt doch, was ihr wollt“
Bild: Pieper
„Kuss der Sonne“ hat der Michael Strauß diese Papp-Giganten aus der Serie „Ikarus“ genannt. Sie gehören zur Ausstellung „Seht doch, was ihr wollt“ im Gütersloher Kreiskunstverein.
Bild: Pieper

 Der Künstler Michael Strauß begrüßt die Besucher im Domizil des Kreiskunstvereins mit der Installation „Kuss der Sonne“ aus seinem Ikarusprojekt.

 60 Jahre alt ist der aus Greifswald stammende , in Gütersloh aufgewachsene Steinmetz. Er studierte

Vernissage: Sonntag, 14. Januar, 11.30 Uhr im Kreiskunstverein, Veerhoffhaus, Am Alten Kirchplatz

Öffnungszeiten: Bis 18. Februar donnerstags und freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags und sonntags 12 bis 19 Uhr.

Künstlergespräch: Sonntag, 4. Februar ab 16 Uhr im Café des Kunstvereins.

Bildhauerei, Malerei und Zeichnung in Maastricht sowie Geologie in Aachen. Er wohnt in Bielefeld, hat in Herford sein Atelier und ist – „im „Brotberuf“ – Leiter des Museums Bünde. Unaufgeregt ist er, methodisch, mit hohen – auch philosophischen – Ansprüchen. Einer, der seine Werke nicht erklären mag, sondern die Deutungshoheit dem Betrachter überlässt. Weshalb die Ausstellung auch „Seht doch, was ihr wollt“ betitelt ist.

Strauß ist ein Denker, kein Dichter. Ein Künstler mit naturwissenschaftlichem Forscherdrang, ein Forscher auf intensiver Kunstexpedition. Seine Inspirationen entwickelt er aus seinem Arbeitsmaterial. Ob dickwandige Pappe (Verpackungsmaterial von Waschmaschinen, Möbeln oder Fahrrädern), ob Packpapier für seine gestisch-expressive Malerei oder geschmolzene Kunststoff-Folie: Strauß spürt der Eigenart des Materials nach, lässt sich auf dessen Stärken und Schwächen ein, um seine dabei gemachten Beobachtungen und Wahrnehmungen Form werden zu lassen. Er biegt, krümmt und wellt seine gerissenen Pappen zu organischen, meist großformatigen Figuren. Skulpturen, die von Leim zusammengehalten und nur in wenigen Ausnahmen, wenn es die physikalischen Gesetzmäßigkeiten ob der Größe und des Gewichts verlangen, von einem unsichtbaren Holzgerüst gestützt werden.

Herauskommen Typen und Charaktere, die Emotionen wecken. Da ist der armlos Hockende auf der Treppe, der dem Betrachter assoziiert, dass er sich schützend vor Kälte die Arme um den Körper schlingt. Da ist der skelettartige Oberkörper am Rollator, der als Symbol menschlichen Verfalls den Raum beherrscht. Da befreien sich Hände und Köpfe aus dem Hintergrund, um nach dem Besucher zu greifen – oder sich ihm als Dialogpartner anzubieten. Da stampft ein massiger Stier über den gläsernen Sarg voller menschlicher Schädel. Triumph der Natur über den Menschen.

„Seht doch, was ihr wollt“

Und während sich auf Papier ausgeschüttete Farbe zusammen mit Acryllack und Pappschnitzeln zum Samurai ballt, zum blutbefleckten „El Presidente“ wird oder zu Kafkas Käfer mutiert, wartet oben Strauß’ Tagebuch: verfremdete Fotos vom aktuellen Weltgeschehen, aus denen sich Figuren herausschälen. Kriegsszenarien, Hoffnungslosigkeit und Angst, die dreidimensional in den Raum dringen. Es ist die Antwort des Künstlers auf eine düstere Nachrichtenwelt voller Fake News. Und es ist gleichzeitig Strauß’ Art, Bilder auf ihre Wahrheit abzuklopfen, nach dem zu fragen, was wirklich ist.

Deutungen sind ausdrücklich erwünscht

Damit allerdings möchte er nicht allein bleiben. Und so sind alle Besucher aufgerufen, dem Künstler ihre ganz persönlichen Deutungen der Arbeiten zu schicken. Den beiden Autoren der spannendsten Beiträge wird Strauß eines seiner Werke mit persönlicher Widmung schenken.

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