Seitensprung mit Heiner Lauterbach
Bild: Maisel
Mutiert vom heißblütigen Lover zum neurotischen Pensionär: Heiner Lauterbach in der Komödie „Jahre später, gleiche Zeit“, die er zusammen mit Dominique Lorenz im Theater Gütersloh spielte.
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Dazwischen keine Ansprüche, keine Telefonate, keine Briefe. Damit kommen der smarte Steuerberater und die biedere Hausfrau, die dem Gatten stets vorlügt, zu Exerzitien zu fahren, gut klar. Der „silberne Seitensprung“ soll richtig gefeiert werden, mit Torte und Champagner in einem Ambiente, das wie die Protagonisten schon in die Jahre gekommen ist.

 Unter dem Titel „Jahre später, gleiche Zeit“ beleuchtet der kanadische Autor Bernard Slade in schlaglichtartigen Episoden das Leben von Doris (Dominique Lorenz) und George (Heiner Lauterbach). Er zeigt, was 1976, 1980, 1981, 1986, 1992 und 1993 passiert. Jedes Mal, wenn sich der Vorhang zum Rendezvous öffnet, sind die Karten neu gemischt.

Gewiefte Regie von Heidelinde Weiss

Wie schon beim ersten Teil des Stücks, das vor 20 Jahren unter dem Titel „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“ von der Komödie im Bayrischen Hof herauskam, präsentiert die TV-bekannte Schauspielerin Heidelinde Weiss als Regisseurin auch bei der Fortsetzung eine pointierte, lebensweise Liebesgeschichte.

Älter und reifer geworden, geht es bei den jährlichen Treffen von Doris und George nicht mehr nur um Sex. Themen der mehr oder weniger glücklich verheirateten Protagonisten sind ganz banale Alltagsprobleme: Ehepartner, Kinder, Beruf. Auf einmal spielen Hörgeräte, Haarfärbemittel, Toupets und die Potenz eine Rolle. Stolz werden Fotos erst der Kinder, später der Enkel präsentiert. Die versierten Meister im Seitensprung kommen vertraut wie ein altes Ehepaar daher.

Vom heißblütigen Lover zum neurotischen Pensionär

Doch während die sympathisch-patente Doris als Fernsehköchin mit eigener Show Karriere macht und ihren jährlichen Seitensprung als Thema eines Bestsellers verwurstet, sieht es bei dem sich pedantisch und larmoyant gebenden George beruflich und privat zunehmend mau aus. Witwer geworden, wird er nach einer Affäre mit der jugendlichen Astrologin Amber noch einmal Vater. Ein alleinerziehender Vater, der das Baby notgedrungen zum Date mitbringt und die Windeln in der Aktentasche transportiert.

Herrlich, wie Heiner Lauterbach den Wandel vom heißblütigen Lover zum neurotischen Pensionär zeichnet. Ein alter Kauz mit Macken, der sich nichts mehr wünscht, als „seine“ Doris für sich behalten zu können. Nach 42 Jahren tauscht das Paar dann endlich die Ringe.

Charmant serviertes Boulevardtheater mit Tiefgang, das in Gütersloh viel Applaus bekam.

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