Shakespeares Credo: Viel Lärm um Nichts
Bild: Menke
Wortgewandt und männerfeindlich: Petra-Janina Schultz als Beatrice in „Viel Lärm um Nichts“ von der Bremer Shakespeare Company
Bild: Menke

 Mit dessen Komödie „Viel Lärm um nichts“ schlug das seit Jahrzehnten Gütersloh treue Ensemble jetzt erneut im Theater auf. Regisseur Lee Beagley inszenierte gleich dreierlei: Shakespeares Erkenntnis, dass Leidenschaft der Motor der Welt ist, seine Liebeserklärung an die Streitkultur zwischen Mann und Frau und auch seinen Appell, den Schein vom Sein zu unterscheiden. Und das alles, indem er die einzelnen Szenen wie in einem Familienalbum aufblättert.

Dafür lässt  Beagley seine sechs Akteure wieselflink in 14 verschiedene Rollen schlüpfen und betont das Wesentliche, indem er Paare und Gegenspieler in den entscheidenden Momenten in großen, das Bühnenbild (Heike Neugebauer) strukturierende Bilderrahmen festhält. Theater gewordene Schnappschüsse menschlicher Befindlichkeiten, Hoffnungen, Sehnsüchte und Boshaftigkeiten. Alles in Lebensgröße und von locker-lässiger Jazz- und Swingmusik unterlegt.

Vor diesen Tableaus wirbt der Kriegsheimkehrer Claudio (schön schmachtend: Michael Meyer) um die sittsame Hero (aus verzopften Mädchenträumen erwachend: Erika Spalke). Da liefert sich die gewitzte Beatrice (wortgewandt und spielfreudig: Petra-Janina Schultz) einen intelligent geführten Geschlechterkampf mit dem nicht minder scharfzüngigen Benedick (vom Egomanen zum Frauenversteher: Tim D. Lee). Als Patriarch tritt Erik Roßbander auf, Prototyp eines selbstgerechten Vaters, der lieber den Verleumdungen eines Windhunds glaubt, als den Beteuerungen der eigenen Tochter. Bliebe noch Peter Lüchinger, der sich als charmanter Prinz, intriganter Don John, bauernschlauer Priester und tumber Wachmeister durchs Dickicht Shakespearescher Verstrickungen schlägt.

Ein routiniert dargebotenes Bühnenspiel Nicht mehr, nicht weniger. Was nicht ins Bild passte, und damit aus den so schön gehängten Rahmen fiel, waren die allzu dick aufgetragenen Szenen auf dem Polizeirevier. Slapstick mag ja zur Folklore des Hauses gehören, aber wie heißt es bei Shakespeare: „Kluge Blödelei ist niemals öde, doch öder Tiefsinn immer blöde.“

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