Silberpappel des Schmuddelwitzes
Bild: Gans
"Grande Dame" des Herrenwitzes: Fips Asmussen in der Gütersloher Stadthalle.
Bild: Gans

 An Fips Asmussen ist alles echt – nur seine Witze nicht. Die hat er sich in seinem 40-jährigen Berufsleben – tja, wie soll man sagen? – angeeignet. Ein bisschen schien der waschechte Hamburger, der mit bürgerlichem Namen Rainer Pries heißt, aus dem Showbusiness verschwunden zu sein. Im kollektiven Humorgedächtnis hielt sich indes die Erinnerung an einen Mann mit Baskenmütze und lockerem Plappermaul, der Witz um Witz riss.

 „Es wird schlimm“

Die Baskenmütze hat er abgelegt, vielleicht um seinem vollen Silberhaar, das etwas weibisch-wattebäuschig seinen Kopf krönt, die nötige Entfaltungsmöglichkeit zu geben. Begibt man sich auf sein Humor-Niveau, wenn man den 73-Jährigen als „Grande Dame des Herrenwitzes“ bezeichnet?

Den hat er, bei aller Mühseligkeit in der Bewegung, immer noch drauf wie nichts Gutes. „Es wird schlimm“, warnt er die gut 100 Zuschauer im Saal. „Wer einen Abend mit mir erlebt hat, hat keine Angst mehr vorm Sterben.“ Und dann legt er los, schießt Gag um Gag ab und kennt in dem Zoten-Salvenfeuer weder Feind noch Freund. Nichts davon ließe sich hier zitieren.

Humorist unter Denkmalschutz

Angeblich hat sich Fips unter die politischen Kabarettisten begeben. Doch auch in diesem Bereich ist nur die billige Pointe das Ziel. „Was macht Angela Merkel mit ihren alten Klamotten? – Sie trägt sie!“ Das ist nicht unwitzig, aber trägt solches Witzeparodieren über einen dreistündigen Abend? Die Antwort lautet: Ja! Weil man einfach bewundern muss, mit welcher Chuzpe der Mann ohne jeglichen dramaturgischen Aufbau im Zwanzig-Sekunden-Rhythmus die Witze raushaut, als seien es die eigenen. Weil es imponiert, wie er Kumpanei mit dem Publikum vortäuscht, an das er sich mal mit Anreden wie „Mutti“, „Alter“ oder „Doktor“ wendet. Und weil er ein lebendiges Relikt eines Humors ist, der sich selbst überlebt hat. Eigentlich müsste man diese Silberpappel des Schmuddelwitzes unter Denkmalschutz stellen.

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