Spannung vor dem Finale steigt
Bild: Steinecke
Haben Karten für das Finale: Andre Vark (links) und Marek Kaplan fiebern mit Borussia Dortmund. Am Freitag reisen sie mit weiteren Fußballbegeisterten nach London.
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Bevor der 26-Jährige die Nachricht am 8. Mai von seinem Schwager in Spe erhielt, hatte er sich mit Freunden getroffen. Die hatten sich ebenfalls an der Verlosung von 20 000 Eintrittskarten für das Wembley-Stadion beteiligt, aber per SMS nur Absagen erhalten. Je mehr Absagen die Freunde bekamen, desto mehr stieg bei dem Service-Techniker die Hoffnung. „Unter 500 000 Bewerbern ausgelost zu werden, ist schon etwas Besonderes“, freute sich André Vark hinterher.

Nach London wären Vark und Kaplan ohnehin gefahren. Sie hatten sich bei einer 50-köpfigen Reisegruppe angemeldet, um die Partie in einem Pub anzuschauen und so möglichst nah dabei zu sein. Jetzt gibt es insgesamt sechs Mitreisende mit einer Zugangsberechtigung für das Epizentrum der Fußball-Begeisterung. „Mit einer Karte ist die Fahrt natürlich doppelt so schön“, fiebert André Vark der Abfahrt am morgigen Freitag entgegen.

Beide sind eingefleischte Dortmund-Fans. Vark, der beim B-Kreisligisten des Gütersloher TV in der Abwehr spielt, atmete bereits mit sechs Jahren auf der Südtribüne Live-Atmosphäre. „Gesehen habe ich da nicht viel“, erinnert er sich. Je mehr er sehen konnte, desto stärker wuchs die Leidenschaft. Heute ist er Besitzer einer Dauerkarte.

Marek Kaplan schaut zwar lieber Fußball, doch das schmälert seinen Fan-Status nicht. Seit 2009 ist er Mitglied beim BVB. Heimspiele werden auf keinen Fall versäumt. Am vergangenen Samstag ging es zum Spiel gegen Hoffenheim. „Den nächsten Sieg sehen“, vertraute Kaplan auf die Angriffsstärke seiner Mannschaft. Das war aber nichts. Dank Dortmunds Niederlage darf Hoffenheim in die Relegation.

Trotzdem glaubt Kaplan gegen die Bayern an die BVB-Offensivstärke: „Das Ergebnis ist nicht so wichtig – Hauptsache gewinnen.“ Vark legt sich beim Ergebnis dagegen fest: „Es wird ein 2:1. Schade, dass die andere Partei traurig nach Hause fahren muss. Es ist bitter, wenn man zum dritten Mal ein Finale in der Champions League verliert.“

In dem Bus befinden sich nämlich nicht nur BVB-Fans, sondern auch Anhänger von Bayern München. „Wir vertragen uns, das läuft rund“, weiß Vark, dass sich echte Fans gegenseitig respektieren. „Wenn einer von uns Bayern-Fan wäre, wären wir mit Sicherheit nicht bald verschwägert“, sagt Marek Kaplan, der sich eine kleine Stichelei mit einem Augenzwinkern trotzdem nicht verkneifen kann.

Schwarzmarktpreise

Auf dem Schwarzmarkt schießen die Preise für die Karten, die in vier Kategorien verkauft wurden, durch die Decke. Bis zu 5000 Euro werden in der Kategorie I verlangt, deren eigentlicher Preis bei 450 Euro lag. Für die 75-Euro-Karte könnten Vark und Kaplan zwischen 500 und 1000 Euro bekommen. Der Versuchung, zu verkaufen, widerstanden sie: „Das ist ein einmaliges Erlebnis, warum sollten wir das tun.“

Nicht nur das Spiel ist für das Duo wichtig, sondern auch das Drumherum. „Wir wollen feiern, ein Hotel brauchen wird nicht“, sagt André Vark, der bereits richtig in Party-Stimmung ist. Der Bus dient in London als Ort, um sich kurzzeitig dem Trubel zu entziehen. Wenn alles nach Plan verläuft, heißt es auf der Rückfahrt: Endstation Dortmund für die ultimative Party. Daran, dass es tatsächlich dazu kommt, hegen die Gütersloher nach eigenen Worten keinen Zweifel. Schließlich wiederhole sich Geschichte auch im Fußball und der FC Bayern, der den Meistertitel schon in der Tasche habe, mache auf keinen Fall das Triple.

1997 gewann Dortmund das Champions-League-Finale gegen Juventus Turin. Bayern wurde Deutscher Meister, und der VfB Stuttgart, der in diesem Jahr gegen die Bayern am 1. Juni in Berlin im DFB-Finale steht, gewann den Pokal gegen den Regionalligisten Energie Cottbus.

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