Sparkasse lässt See versteigern
Bild: Dünhölter
Idylle am Luttersee: Obwohl es sich um ein Privatgelände handelt, entwickelt sich das Areal an der Brockhagener Straße in den Sommermonaten zum Treffpunkt.
Bild: Dünhölter

Das etwa 16 Hektar große Areal steht zur Zwangsversteigerung an. Nach dem Tod des Eigentümers hat die Sparkasse den Zugriff auf das Gelände bekommen. Beim Verkauf strebt sie naturgemäß einen hohen Veräußerungsgewinn an. Ein Exposé ist nach Angaben eines Sprechers in Arbeit, aber nicht fertiggestellt. Daher hat das Amtsgericht bisher keinen Termin festgelegt.

Damit ist die Zukunft des Geländes wieder völlig offen. Denkbar sind eine Fortführung der Entsandung, eine Nutzung für die Fischzucht und als Angelgewässer oder auch eine Freigabe als Naherholungsgebiet mit Bademöglichkeit, wenn sich dafür ein Investor fände.

Das bisherige Abbauunternehmen hat die Entsandung offenbar eingestellt und am südlichen Ufer des Sees mit der Rekultivierung begonnen. Eine andere Firma hat Berichten zufolge Interesse bekundet, die (Rest-)Entsandung fortzusetzen, muss sich aber wegen der anstehenden Versteigerung gedulden. Dass die Stadt das Gelände erwirbt, gilt vor dem Hintergrund der Haushaltslage als unwahrscheinlich.

Im vergangenen Sommer waren SPD und BfGT in Absprache mit der Eigentümerfamilie an die Öffentlichkeit getreten und hatten sich für eine Freizeitnutzung stark gemacht: „Investoren und Betreiber stehen bereit und warten, dass die Verwaltung Grünes Licht gibt und die planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft“, hieß es damals. Wegen der veränderten Lage suchten BfGT und SPD jetzt das Gespräch mit der Sparkasse, verlautete am Mittwoch. Namen wollte BfGT-Chef Nobby Morkes auf Anfrage nicht nennen.

Im vorigen September hatte sich die Verwaltung noch einmal ausführlich zur Option eines Badesees geäußert und erklärt, trotz geringer Sichttiefe durch Algenbildung sei das Gewässer grundsätzlich geeignet. Es müsse aber ständig überwacht werden. Problematisch seien schwankende Tiefen. Größere bauliche Vorhaben wie Wochenendhäuser, ein Campingplatz und Großgastronomie seien wegen des Hochwasserschutzes ausgeschlossen.

Hintergrund

Im Juni 1999 hat sich der städtische Umweltausschuss für ein Nutzungskonzept nach Abschluss der Entsandung ausgesprochen. Es sah auf einer Gesamtfläche von 19,5 Hektar, davon 8,5 Hektar Wasserfläche, eine Kombination aus Badezone, Sandstrand, Beachvolleyballanlage und Liegewiesen mit Bereichen vor, die Tieren und Pflanzen vorbehalten sein sollten. Der Erholungsraum sollte über ein Wegesystem erschlossen werden, die Verkehrsanbindung über die Straße Schluthecke erfolgen.

Für Sanitäranlagen, eine DLRG-Wachstation und eine kleine Gastronomie wurden Baukosten von gut 731 000 Euro veranschlagt bei jährlichen Folgekosten von knapp 100 000 Euro. Wassersport wie Segeln und Surfen wurden ausgeschlossen. Den Stellplatzbedarf bezifferte die Verwaltung voriges Jahr auf 350.

Im September 2010 war die Öffnung des Sees im Rahmen des Stadtteilentwicklungskonzepts für Blankenhagen noch einmal empfohlen worden. Aber schon damals war klar, dass die Stadt wegen der angespannten Haushaltslage selbst nicht als Investor infrage kommen würde. Die Wasserfläche beträgt heute tatsächlich knapp 7 Hektar.

SOCIAL BOOKMARKS