Sportcenter-Betreiber verurteilt
Zu 1800 Euro Geldstrafe ist ein Gütersloher Sporthallenbetreiber verurteilt worden, in dessen Center ein Polizist zu Tode stürzte.

Der Polizist war am 14. Februar 2011 während seiner Ermittlungsarbeit in dem Sportcenter am Ende einer vom Angeklagten provisorisch errichteten Metalltreppe zu Tode gestürzt („Die Glocke“ berichtete). Nur der Sporthallenchef selbst kannte den Weg über seine selbst verschraubte Treppe bis zum Boden des zweiten Stocks, wo er rechts einen Lagerraum und eine Räumlichkeit zum Übernachten geschaffen hatte – das alles ohne behördliche Genehmigung.

Schwaches Licht gab es nur bis zur Hälfte der Treppe. Der Handlauf endete dort, wo nur der Beschuldigte den Weg nach rechts kannte. Aber weiter geradeaus – im Dunkeln und ohne Sicherung – begab sich an jenem Montag der wegen eines Einbruchs ermittelnde Polizeibeamte. Er trat auf eine Rigipsplatte, die brach. Der Mann stürzte zweieinhalb Meter hinunter und zog sich schwerste Kopfverletzungen zu. Am 11. März starb der zweifache Familienvater im Krankenhaus.

Am Prozesstag verfolgten seine Frau und seine jugendlichen Töchter gefasst die Verhandlung – als Nebenkläger vertreten von Rechtsanwalt Martin Rother. „Haben Sie nie daran gedacht, den Weg geradeaus abzusichern?“, fragte Rother den Angeklagten. Antwort: „Nein, weil ich das für mich gemacht habe. Warum sollte da jemand rumturnen?“

Die zuweilen schnippisch formulierten Ausführungen des Beschuldigten kamen beim Gericht nicht gut an. „Sie haben ja gar nicht erst versucht, sich bei den Angehörigen zu entschuldigen“, so der Vorwurf der Staatsanwältin. „Und am schlimmsten ist, keinerlei Reue zu zeigen.“ Zwar sei das rätselhafte Vorgehen des späteren Opfers als strafmildernd zu werten, doch sie halte ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, 3000 Euro an die Hinterbliebenen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit für angemessen.

Eine Forderung, der sich Martin Rother („Wir haben es hier mit dem Erstellen einer Todesfalle zu tun“) anschloss. Stefan Knöllner, der Rechtsbeistand des Sporthallen-Betreibers, sah bei seinem Mandanten „keine strafrechtliche Verantwortlichkeit“ und betonte die Selbstgefährdung des Opfers. Der Verteidiger forderte Freispruch.

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