Staatsanwältin will Mutter anklagen
Bild: Dinkels
Die Polizei hatte Anwohner in der Nähe des Fundorts befragt.
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Über die Haftfrage entscheide der Ermittlungsrichter, aber es gebe bisher keine Anhaltspunkte, dass die Untersuchungshaft ausgesetzt werde, sagte die Staatsanwältin. Es habe keinen Antrag auf Haftprüfung gegeben. Der Frau sei inzwischen ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt worden. Ein Motiv für das Aussetzen des Babys habe sie bisher nur angedeutet. Sie habe offenbar Angst gehabt, ihre Beschäftigung bei der Firma Tönnies zu verlieren, wenn ihre Schwangerschaft bekannt würde.

Die Frau, die bereits zwei erwachsene Kinder hat, ist als Leiharbeiterin in dem fleischverarbeitenden Betrieb in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt. Tönnies hat sich bisher noch nicht zu dem Fall geäußert. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wolle das Unternehmen zunächst keine Angaben machen, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Die Ermittlungen der Polizei seien noch nicht abgeschlossen, erklärte Stefanie Jürgenlohmann. Sie wolle die bisher vorliegende Akte am Wochenende intensiv prüfen und dann Anklage erheben. Wie der Vorwurf lauten werde, habe sie noch nicht entschieden, sagte die Staatsanwältin. In Untersuchungshaft war die Mutter des Säuglings wegen eines versuchten Tötungsdelikts in Tateinheit mit der Aussetzung des Kindes genommen worden.

Der neugeborene Junge war am Abend des 14. Juni von Anwohnern an der Vennstraße entdeckt worden. Sie alarmierten die Rettungskräfte, die den Säugling ins St.-Elisabeth-Hospital brachten. Später wurde der Junge in die Kinderklinik Bielefeld-Bethel verlegt. Inzwischen lebt er nach Angaben des Jugendamts Gütersloh in einer Pflegefamilie. Er sei gesund und entwickele sich gut. Die Mutter war am 10. Juli vorläufig festgenommen worden. Bei Befragungen von Anwohnern in den Straßen rund um den Media-Markt hatten Mitbewohner der Frau in einem Wohnheim für Leiharbeiter die auffällige Gewichtsveränderung der 38-Jährigen erwähnt. Als die Polizeibeamten sie darauf ansprachen, gab die Frau zu, ihr Kind auf dem Parkplatz an der Vennstraße ausgesetzt zu haben.

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