Staatsschutz ermittelt nach Brandanschlag
Verschmort: Die Plane des Motorrollers wurde von einem Brandsatz versengt.

Der stellvertretender Inspektionsleiter im Bielefelder Kriminalkommissariat 32, das sich mit Rechtsextremismus beschäftigt, und seine Mitarbeiter nehmen den Vorfall ernst. „Das ist keine einfache Sachbeschädigung.“ Der Brandsatz muss nach bisherigen Erkenntnissen gegen 3.30 Uhr am Mittwochmorgen in den Innenhof eines Hauses am Nordring geschleudert worden sein. Eine Nachbarin hat den ermittelnden Beamten diesen Zeitpunkt genannt. Sie sei von ihrem weinenden Kind geweckt worden, und habe gehört, dass irgendwo eine Flasche zerborsten sei.

Vor zwei Wochen flogen Steine

Das Haus, in dem mehrere Mitglieder der antifaschistischen Szene Güterslohs wohnen, sei bekannt, sagt Ulrich Buchalla auf Nachfrage. Schon deshalb hätten die Polizeibeamten aus Gütersloh gleich die Kollegen vom Staatsschutz informiert. Ein Bewohner des Hauses hatte die Polizei benachrichtigt, nachdem er die angeschmorte Abdeckplane auf seinem Fahrzeug entdeckt hatte. „Er hat die kaputte Plane gesehen und neben dem Roller verbrannte Stofffetzen und Glasscherben“, erzählt eine Bewohnerin des Hauses. Der Rollerbesitzer sei zunächst wie immer zur Arbeit gefahren. Unterwegs habe er aber beschlossen, die Polizei zu informieren, weil ihm die Situation sehr ungewöhnlich erschienen sei. Bereits vor rund drei Wochen waren zwei Steine in die Wohnung eines türkischstämmigen Mannes geworfen worden. Später wurde er auf Flugblättern als „Linksradikaler“ und „Anti-Deutscher“ beschimpft.

Ermittlung in alle Richtungen

„Der Hof ist durch ein Metalltor gesichert und schwer zugänglich“, erklärt Buchalla, wie es am Tatort aussieht. „Da fliegt nicht zufällig ein Brandsatz rein.“ Dass es sich zweifellos um einen Molotow-Cocktail gehandelt hat, hat die Spurensicherung eindeutig nachgewiesen. Auch die Adresse sei allgemein bekannt, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Sowohl in linken als auch in rechten Foren werde sie genannt. „Wir ermitteln jetzt in alle Richtungen und befragen weiter mögliche Zeugen.“ Es sei nicht unwahrscheinlich, dass der Anschlag von rechtsextremen Gruppierungen verübt worden sein könnte, sagt Buchalla. Es gebe seit Jahren „Scharmützel“ zwischen linken und rechten Gruppen. Die Beamten beobachteten die Gruppierungen und wüssten, wer dazugehöre. „Wir können aber nicht einfach bei jemandem klingeln und fragen: ,Bist du das gewesen?‘“

Gruppen werden beobachtet

Als Leiter der Ermittlungen kann Kriminalhauptkommissar Buchalla auch eine Auseinandersetzung zwischen linken Gruppen nicht völlig ausschließen. Das sei aber eher unwahrscheinlich. Mit dem Anschlag in Oslo will Buchalla den Vorfall in Gütersloh nicht in Verbindung bringen. „In Norwegen war ein Einzeltäter am Werk. Solche Menschen können Sie nie unter Kontrolle bringen. Den kannte ja vorher niemand im Zusammenhang mit rechtsextremen Gruppen“, sagt er. Der Staatsschutz in Bielefeld kenne seine Klientel auch in Gütersloh. Die Aktivitäten der Gruppen, auch im Internet, würden sorgfältig beobachtet.

Dahinter steckt hohes Gewaltpotenzial

Wie ernst die Beamten auch den Brandanschlag am Nordring nehmen, betont Buchalla noch einmal: „Man kann hier sicher nicht von einer Lappalie reden. Dahinter steckt schon eine Menge Gewaltpotenzial.“ Wer einen Molotow-Cocktail werfe, nehme in Kauf, auch Menschen zu verletzen. „Das den Bewohnern des Hauses nach diesem Anschlag nicht mehr wohl in ihrer Haut ist, kann ich verstehen. Nach so einer Sache wird man nachdenklich.“ Die Polizei sucht Zeugen. Wer etwas über den Vorgang in der Nacht zum Mittwoch am Nordring sagen kann, sollte sich bei der Polizei Bielefeld unter w 0521/5450 oder in Gütersloh unter w 05241/8690 melden.

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