Stadt-Café schließt Ende August
Konditormeisterin Tanja Kathöfer schließt Ende August das Stadtcafé.

„Der Entschluss zur Aufgabe unseres Traditionshauses mit 170-jähriger Geschichte ist mir nicht leicht gefallen“, erklärt die Konditormeisterin. Mehrere Gründe hätten dazu geführt: „Die Konsumgewohnheiten unserer Gäste, aber auch das Angebot in der Gastronomie haben sich gerade in den vergangenen Jahren deutlich geändert.“

Das Snackangebot nehme mittlerweile viel Raum in der Innenstadt ein. „Die Konsumenten setzen stärker auf eilige Ernährung.“ Das Café-Geschäft sei zudem starken Schwankungen unterworfen. Zu besonderen Anlässen beispielsweise von Firmen und Vereinen sei das Haus häufig ausgebucht gewesen. Allerdings gebe es auch sehr ruhige Phasen. Personal sei kaum verlässlich einzusetzen.

Für sie selbst, so Tanja Kathöfer, bedeute das seit 2002 in der Regel einen 13-Stunden-Tag, auch an Wochenenden. „Das ging auf Kosten von Familie und Gesundheit.“ Kathöfer hat zwei Söhne im Alter von neun und zwölf Jahren. Sie wolle nun mehr Zeit für ihre Familie haben und zu mehr Lebensqualität gelangen.

Die vier Mitarbeiter seien informiert. Für deren berufliches Fortkommen will sich die Chefin einsetzen.

Über fünf Generationen ist das Haus an der Hohenzollernstraße mit dem lauschigen Garten eine bekannte Adresse gewesen. Eröffnet wurde es 1846 als Café Viertmann. Es ist damit wohl das älteste in Gütersloh. Ursprünglich war es ein Haus in der „Neuen Reihe“. Später hieß es Café Ridder. In den 1970er-Jahren wurde daraus unter Konditormeister Walter Müller das Stadtcafé.

Das Café hat sich im Lauf der Jahrzehnte immer gewandelt, aber seinen Charakter bewahrt. Mit der Übernahme eines Nachbargrundstücks wurde es zwischenzeitlich deutlich erweitert.

Walter Müller war es auch, der die erste Hochzeitstorte ins Sortiment aufnahm. Der Fußball-Fan kreierte zu Hochzeiten des Vereins sogar FC-Gütersloh-Pralinés. Das Stadtcafé entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einer beliebten Adresse für Kuchen, Torten, handgefertigte Pralinés. Außerdem arbeitet das Team auf vielfältige Weise für Firmenkunden.

„Der zuckersüße Nachbau der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz im Originalmaßstab beispielsweise, das war eine wirklich spannende Mischung aus Architektur und Rezeptur“, erklärt Tanja Kathöfer. Dosen mit Stadt-Café-Pralinés schickten Firmen an Kunden in aller Welt. Die Konditormeisterin verspricht bis zum Ende vollen Einsatz.

Das Café war nicht nur ein Ort für große Anlässe, sondern auch für Pressekonferenzen und für vertraulichere Gespräche. Diskretion wurde und wird an der Hohenzollernstraße groß geschrieben. Was nach der Schließung Ende August aus den Räumlichkeiten wird, war am Freitag nicht zu erfahren.

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