Stadt lässt Kinder im Rathaus betreuen
Bild: Dinkels
Notfallbetreuung in Rathaus: Die Erzieherin Suat Coban spielt mit den Kindern im Besprechungsraum der CDU-Fraktion.
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In der siebten Etage des Rathauses rennen an diesem Montag Kinder durch das Foyer des Ratssaals, lassen aus Papier gefaltete Flugzeuge fliegen und machen es sich auf Stuhlkissen bequem, auf denen sonst Kommunalpolitiker Angelegenheiten der Stadt beraten. Auch der größte Besprechungsraum – das ist jener der CDU-Fraktion – wird als Spielzimmer genutzt.

Die Gewerkschaft Verdi hat zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen, dem sich die überwiegende Mehrheit der rund 370 Erzieherinnen in Teil- und Vollzeit anschließt. Geöffnet haben nur die Einrichtungen Pelikanweg, Niehorster Straße und Bachstelzenweg.

Sieben Erzieherinnen und Praktikantinnen haben sich bereiterklärt, die Notfallbetreuung im Rathaus zu übernehmen, darunter Suat Coban. Sie steht nach eigenen Worten voll hinter den Forderungen in der Tarifauseinandersetzung, kann es sich aber nicht leisten, selbst zu streiken. Auch Fachbereichsleiter Roland Thiesbrummel zeigt Verständnis dafür, dass die Erzieherinnen Anerkennung für ihre Arbeit fordern, verweist aber diplomatisch auf die Zuständigkeit der Tarifpartner.

Der Stadt obliegt es dann, sich als familienfreundlich zu erweisen und ein Betreuungsangebot zu schaffen. Von den rund 3000 Kindern in Gütersloher Tagesstätten besucht etwa die Hälfte städtische Einrichtungen. Die Eltern wurden in der vergangenen Woche über den Warnstreik informiert. Aber nicht allen gelingt es, Freunde, Bekannte oder Verwandte einzuspannen – sie sind auf die Stadt angewiesen.

„Kindergeschrei ist Zukunftsmusik“, sagt Thiesbrummel. Deswegen seien die Steppkes im Rathaus willkommen. Und auf der Ebene des Ratssaals würden die Mitarbeiter nicht gestört. Erfahrung habe man ja schon aus den Jahren 2009 und 2012. Trotzdem sei es stets ein beträchtlicher Aufwand, das zu organisieren.

Die Notfallbetreuung wird zwischen 7.30 und 16.30 Uhr angeboten. Am Vormittag sind es 15 Kinder, von denen 14 über Mittag bleiben. Darunter sind nur wenige unter Dreijährige. Das Essen wird aus der Küche des Klinikums Gütersloh angeliefert, aus der auch sonst die Gerichte für die städtischen Tagesstätten stammen. „Heute wird nur das notwendige Essen gebracht“, berichtet Thiesbrummel.

Von einem „paradiesischen Personalschlüssel“ spricht Fachberaterin Bettina Kirchner. Rechnerisch kommt an diesem Tag auf zwei Kinder eine Betreuerin. Aber es ist ein Ausnahmefall. Ein weiterer Warnstreik sei bisher nicht angekündigt, so Thiesbrummel. Heute öffnen die 21 städtischen Kindertagesstätten wie gewohnt – und in der siebten Etage des Rathauses bleibt es ruhig.

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