Stadt ruft den digitalen Aufbruch aus
Bild: Walkusch
Eine Gesellschaft 5.0 wollen Bürgermeister Henning Schulz (rechts) und Rainer Spies, Leiter des Büros des Rats und des Bürgermeisters, in Gütersloh etablieren. Dazu sollen zwei Stellen in der Verwaltung eingerichtet und ein Handlungskonzept erarbeitet werden.
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Denn für das Projekt, das Schulz und Rainer Spies, Leiter des Büros des Rats und des Bürgermeisters, in die Wege leiten wollen, braucht es Fachkräfte. Konkret wollen die beiden einen sogenannten Chief Digital Officer (CDO) einstellen. „Eine passende Übersetzung ist uns dafür noch nicht eingefallen“, sagte Schulz am Mittwoch.

Aber der Aufgabenbereich steht schon fest. Die Fachkraft soll innerhalb der Verwaltung die Digitalisierung leiten und die Ideen von außen koordinieren. Der CDO soll zudem noch eine Hilfskraft bekommen. Schulz möchte außerdem Digital Scouts, also Mitarbeiter, die einen Blick auf die Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen haben, etablieren. Der Hauptausschuss soll am 4. Dezember die beiden Stellen genehmigen, sodass schon im Januar mit der Ausschreibung begonnen werden kann.

Doch bei der personellen Aufstockung soll es nicht bleiben. Schulz und Spies möchten gleich mehrere Gremien einrichten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Ein Facharbeitskreis, ein Lenkungskreis, eine Ideenplattform, ein U-30-Beirat, der sich aus Nachwuchspolitikern und interessierten jungen Menschen zusammensetzt, sowie Themengruppen und ein digitales Forum sollen Impulse für den Digitalen Aufbruch geben. Dazu sind Unternehmen genauso eingeladen wie jeder Bürger, der sich für das Thema interessiert. Herauskommen sollen dabei Beschlussvorlagen für den Hauptausschuss. „Eigentlich gehört die Digitalisierung in das Gremium“, sagte Schulz. „Viele Sachen sind aber so kompliziert, dass sie nicht in einer 15-Minuten-Diskussion erörtert werden können.“

Schulz sieht die Digitalisierung als Aufgabe für die ganze Stadt. „Wir sprechen mittlerweile schon von einer Gesellschaft 5.0.“ Deswegen will er auch nicht einzelne Maßnahmen kleckerweise beschließen lassen, sondern ein Integriertes Konzept – ähnlich wie bei der Stadtentwicklung – erarbeiten. Dass die Fraktionen dem Beschlussvorschlag in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses (Montag, 4. Dezember, 16 Uhr, Ratssaal im Rathaus) nicht zustimmen, kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen. „Für mich besteht da gar keine Frage, ob wir das Thema anpacken sollten“, zeigte sich Schulz zuversichtlich.

Wie kann so ein Digitaler Aufbruch aussehen? Bürgermeister Henning Schulz nannte am Mittwoch mehrere Beispiele wie den ÖPNV on demand. „Wenn abends 400 Menschen im Cinestar sitzen und 30 davon im Anschluss nach Isselhorst wollen, wissen sie nichts voneinander“, skizzierte er. So viele Taxen gebe es nicht auf einmal, und es koste die Kunden viel Geld. Etabliere man jedoch einen Online-Dienst, könnten die Besucher dort angeben, wo sie hinwollten. Bei 30 Menschen könne man so einen Bus einsetzen, der dann nicht die normale Route fahre, sondern eine optimale, damit jeder so schnell wie möglich an sein Ziel komme. „Die Technik dafür ist längst da. Wir hinken in dem Bereich in Deutschland aber hinterher“, so der Bürgermeister.

Auch in der Verwaltung gibt es laut Schulz viele Punkte, an denen man die Digitalisierung vorantreiben kann. „Ein Ampelsystem für das Bürgerbüro zum Beispiel. Da wird einem auf dem Smartphone angezeigt, wie lange man ungefähr warten müsste. Steht die Ampel auf Rot, kann man entscheiden, erst eine Stunde später dorthin zu gehen, um Wartezeiten zu vermeiden.“

Ein anderes Beispiel ist eine digitale Karte, auf der Gebäude, Straßen und Ähnliches angezeigt werden, die Thema in einer Ausschusssitzung sind. Dass Menschen bei der ganzen Digitalisierung Angst um ihre Daten hätten, könne er nachvollziehen. „Man muss sich manchmal auch fragen, ob etwas überhaupt einen Mehrwert für die Gesellschaft hat und moralisch vertretbar ist. Dafür sind dann auch die politischen Gremien zuständig“, sagte Schulz.

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