Stadtbibliothek ringt mit Lizenzkosten
Bild: Pieper
Ein Erfolgsmodell ist die OWL-E-Ausleihe in der Gütersloher Stadtbibliothek. Doch Geschäftsführerin Silke Niermann ärgert sich über die zunehmend harten Lizenz-Bedingungen großer Verlage, die weiterreichende Bestseller-Online-Angebote unbezahlbar machen.
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Nicht, dass das Haus diese Art von Literatur nicht mag oder anbieten möchte, aber die Bibliothek ist nicht bereit, die von manchen Verlagen erhobenen, hohen Lizenzgebühren dafür zu bezahlen.

 „Da können und wollen wir nicht mitmachen“, sagt Silke Niermann. Die Geschäftsführerin der Gütersloher Stadtbibliothek hält daran fest, das Gebührenmodell beispielsweise der Holtzbrinck- und Bonnier-Verlagsgruppen, zu denen Droemer Knaur, Fischer, Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch, Piper, Ullstein, Thienemann sowie Carlsen gehören, abzulehnen.

 Bis 2016 hatten diese Bücher- und Bestseller-Macher E-Book-Lizenzen für Bibliotheken ohnehin strikt abgelehnt. Im April vorigen Jahres schien sich eine Einigung mit dem Deutschen Bibliotheksverband abzuzeichnen. Doch statt die E-Book-Ausleihe mit der herkömmlicher Bücher gleichzusetzen, verlangt Holtzbrinck – und mittlerweile auch die zu Bertelsmann gehörende Verlagsgruppe Random House – für die Bereitstellung digitaler Medien das 2,5-fache der sonst üblichen Bibliothekslizenzen und dem, was privat für ein E-Book bezahlt werden müsste. Und das bei eingeschränkter Nutzung. Denn diese Bibliotheks-Lizenzen sind auf maximal vier Jahre oder 52 Ausleihen begrenzt.

 „Für uns nicht akzeptabel“, sagt Niermann und rechnet vor: „Lade ich mir privat Jojo Moyes „Ein ganz neues Leben“ auf mein E-Book herunter, kostet mich das 16,99 Euro. Die Bibliothek soll dafür 42,48 Euro bezahlen.“ Da es sich um einen publikumsträchtigen Bestseller handelt, wäre das Haus gezwungen, gleich mehrfache Lizenzen – „10 bis 20“ – davon zu ordern. Schließlich gehören die Gütersloher zum OWL-Bibliotheksverbund mit insgesamt 18 Mitgliedern und einer halben Million Nutzern. „Dann wären wir für nur einen gängigen Titel schon rund 800 Euro los“, sagt Niermann. Allein mit Blick auf die diversen Bestseller-Listen mit jeweils 20 bis 30 Titeln würden sich die Kosten auf 25 000 Euro anhäufen. Nicht stemmbar, wenn man weiß, dass vom 148 000-Euro-Neuanschaffungsetat des Gütersloher Hauses nur zehn Prozent, also 14 800 Euro, in die digitalen Medien fließen düfen. „Wir müssen schließlich auch noch Gelder für andere Romane, für Kinder-, Sach- und Fachbücher haben.“ Auch mit Blick auf kleinere und oftmals klamme Bibliotheken ist

Silke Niermanns Forderung ist eindeutig: „Digitale Medien müssen für Bibliotheken bezahlbar sein und bleiben.“ Sonst droht das Aus. Es gehe darum, die zentrale Aufgabe, Bildung und Informationen in allen möglichen Quellen möglichst vielen Nutzern zugänglich zu machen, zu erhalten.

Hintergrund: 

Seit 2007 können Kunden der Gütersloher Stadtbibliothek per OWL-E-Ausleihe kostenlos E-Books herunterladen und mittlerweile auf den Bestand von 18 Bibliotheken der Region zurückgreifen. Ziel war und ist es, die „Google-Generation“ für die öffentlichen Bibliotheken (zurück) zu gewinnen und Amazon etwas entgegenzusetzen.

Dafür arbeitet die Einrichtung mit der „Divibib GmbH“ aus Wiesbaden zusammen, die die Technik und die Software fürs Online-Portal einrichtet. Nach eigenen Angaben stellt die Divibib GmbH Medien von 3400 Verlagen für mehr als 2600 Bibliotheken zur Verfügung.

Jedem Verlag steht es frei, den Bibliotheken Zugang zu seinen E-Books zu gewähren oder auch nicht. Manche Verlage betreiben ein eigenes Online-Portal.

 Für die Bibliotheken handelt die Divibib mit den Verlagen die Lizenzkonditionen zur Online-Ausleihe aus. Etliche Verlage bieten ihre E-Books den Bibliotheken noch zum gängigen Marktpreis an. Doch Verlagsgruppen wie Holtzbrinck oder Random House wollen sie nur zum 2,5-fachen Preis freigeben. Ihr Argument: E-Books in Bibliotheken würden im Gegensatz zu Privatkäufen nicht nur von einem, sondern von zig Lesern genutzt. Außerdem helfe der höhere Preis, jenen Einnahme-Ausfall zu kompensieren, der bei der Ausleihe von E-Books entsteht. Denn während eine Bibliothek bei jeder Buchausleihe Tantiemen für Verlag und Autor zahlen muss, entfällt dies beim E-Book.

Welche rechtlichen Deutungen es zu der Situation gibt und wie Verlage und Verleger-Verbände reagieren, lesen sie im kompletten Bericht in der Gütersloher „Glocke“ vom 7. Januar.

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