Stadtgeschichte soll  fortgeschrieben werden
Foto: Steinecke
Band eins der Gütersloher Stadtgeschichte erschien zum 175-jährigen Bestehen im Jahr 2000 und behandelte die Anfänge vom Dorf bis zum Überleben im Zweiten Weltkrieg. Band zwei soll die Nachkriegsgeschichte und die Entwicklung zur „Boomtown“ mit globalen Bezügen aufarbeiten.
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Anhand Güterslohs Entwicklung lasse sich nicht nur die Geschichte einer faszinierenden „Boomtown“ schreiben, sondern auch eine etwas andere Geschichte der Bundesrepublik – weil Gütersloh den gängigen Niedergangs-und Krisengeschichten widerspreche. Zu diesem Ergebnis kommen Professor Dr. Malte Thießen vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und Professor Dr. Thomas Großbölting vom Hamburger Forschungsinstitut für Zeitgeschichte in ihrem Exposé zu einem ganz besonderen Forschungsprojekt. Es geht um die Fortschreibung der Gütersloher Stadtgeschichte.

Erscheinungstermin: 2025

Anknüpfend an den ersten, 500 Seiten umfassenden Band, der 2000 zum 175-jährigen Bestehen Güterslohs erschien, soll zum nächsten, dem 200. Stadtjubiläum, der zweite Band 2025 erscheinen. Ob und inwieweit das Vorhaben aber finanziert werden kann – die Verwaltung hat die Realisierung mit rund 604 000 Euro angesetzt – hängt vom Haushaltsplan ab. Das geht aus den Unterlagen für den nächsten Kulturausschuss hervor, der am Donnerstag, 17. August, ab 17 Uhr im Konferenzraum 11 der Stadthalle tagt.

Lernen aus der Geschichte

Laut Vorlage gehe es nicht allein darum, von profunden Kräften ein Stadtporträt von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart zeichnen zu lassen, sondern – angesichts der aktuellen Geschehnisse (Rechtsruck in der Gesellschaft, Populismus) – ein „Lernen aus der eigenen Geschichte“ zu fördern, indem man sich ehrlich allen Facetten der kommunalen Historie stelle und sie fachwissenschaftlich fundiert aufarbeite. Da nehme die Stadt ihre demokratische Aufgabe sehr ernst, heißt es in der Vorlage.

Formate zur Erinnerungskultur einbeziehen

Das alles soll mit einem „partizipativen Ansatz“ durchgezogen werden. Die laufenden Arbeiten sollen in diversen Workshops und Einzelveranstaltungen wie Erzählcafés präsentiert werden, um so „Alltagserfahrungen der Stadtgesellschaft für den Forschungsprozess fruchtbar zu machen“. Die 2019 gestarteten Formate zur Erinnerungskultur sollen in den Prozess eingebunden und dadurch gleichzeitig gestärkt werden. Durch die Beteiligung von Schulklassen könnte zudem der wichtige Aspekt der kulturellen Bildung gefördert werden. Außerdem, so die Verwaltung, erhöhe das Miteinander verschiedener Akteure die Akzeptanz des Gesamtprojekts.

Spannend zu lesen und wissenschaftlich fundiert

Das Ziel des Projekts soll ein „ebenso spannend zu lesender wie wissenschaftlich fundierter“, ebenfalls rund 500-seitiger Jubiläumsband mit mehreren Kapiteln und drei Schwerpunkten sein: Erstens: die Unternehmen in Gütersloh, Stadtpolitik und städtische Repräsentation; Zweitens: Stadt in Bewegung – soziale Milieus und Kulturen im Wandel; Drittens: die Briten in Gütersloh. Statt eigener Recherchen will man dafür auf Ergebnisse eines vergleichend angelegten Forschungsprojekts der Paderborner Historikerin Dr. Bettina Blum zu den britischen Streitkräften in Norddeutschland zurückgreifen – unter besonderer Berücksichtigung des Standorts Gütersloh.

Grundlage für Veranstaltungen

Flankiert werden die Schwerpunktthemen von kurzen Schlaglichtern weiterer Autoren zu Spezialthemen und prägenden Ereignissen. Mehr als genug Material also, das nicht nur gelesen werden, sondern auch Grundlage für Veranstaltungen sowie für analoge und digitale Vermittlungsformen der Stadtgeschichte sein soll.

Gesamtkosten: rund 603000 Euro

Insgesamt sind gut vier Jahre für die Entstehung dieser Stadtgeschichte angesetzt. Die beiden ersten Schwerpunkte sollen laut Exposé von zwei Mitarbeitern (einem Postdoc und einem Doktoranden) über drei Jahre – von Oktober 2021 bis September 2024 – recherchiert und geschrieben werden. Hinzu soll ein Redakteur für die Laufzeit von zwei Jahren (2023 – 2025) in halber Stelle kommen, der sich um Redaktion, Gestaltung und Herausgabe des Jubiläumsbands kümmert. Plus der Mittel für eine studentische Hilfskraft, Reise-, Sach- und Druckkosten ergeben sich für die Stadt Gütersloh Gesamtkosten von 603 890 Euro.

Günstigere Variante B

In einer ersten Variante hatten die Professoren der beiden Institute sogar mehr als eine Million Euro für das Gesamtprojekt angesetzt – mit einem Gütersloher Anteil von 758 000 Euro. Doch durch den Wegfall der Erarbeitung des Teilprojekts „Briten in Gütersloh“ hat sich nicht nur eine Variante B, sondern auch Einsparpotenzial ergeben. Das Münsteraner LWL-Institut und das Hamburger Forschungsinstitut beteiligen sich finanziell mit 286 500 Euro an dem ambitionierten Projekt.

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